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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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hvchangeschwollenen Fluß zur Wcrsl des Gegners wollte.

Wir zogen dann stromab­wärts, und als wir beim sagenhaften Andara waren, mußte Tom mit mir zur Werft des Häuptlings, wo wir ganz freundlich aufgenommen wurden. Beim Abschied wollte ich den Häuptling photo­graphieren, der hatte aber Angst vor dem Apparat, bis sich Tom neben ihn setzte und ihm gütlich zuredete.

Als 1904 der He- rerokrieg ausbrach, stellte sich Tom wieder ein. Er war unermüdlich im Wachtdienst und auf zahlreichen Pa­trouillen. Nach dem Gefecht am Waterberg zog ich mit der mir unterstellten Abteilung den Hereros nach in die unwirtliche Omaheke. Ich wollte zunächst die Abteilung von Estorfs ein­holen, die schon drei Tagemärsche voraus war, und ritt daher mit den Reitern in Eilmärschen vorwärts; die Wagenkolonne mußte langsamer folgen. Mühsam zogen die übermüdeten Ochsen die schwerbeladenen Wagen durch den tiefen Sand der Omaheke. Futter gab es kaum, auch das Wasser war knapp, und die Wasserlöcher waren durch Hunderte von Kadavern eingegangener Ochsen verpestet. Tom hatte ich bei der Wagenkolonne gelassen, wo er von unschätzbarem Werte war. Wenn ein Wagen im tiefen Sande stecken blieb, so sprang er vorn Pferde, ergriff die lange Ochsenpeitsche, ermunterte die Ochsen durch lauten Zuruf zum gleichmäßigen Anziehen und

brachte bald den Wagen wieder in Gang. So kam die Kolonne nach vielen Tagen wieder zu uns und brachte die erwünschte Verpflegung. Leider war Tom nicht mehr der alte. Seine immer gute Laune war geschwunden, er klagte über allerlei Schmerzen und war immer müde. Ich glaubte, es wäre altes Fieber, und ließ ihm Chinin geben oder auch einen Kognak, für den er besonders empfänglich war. Wenn jetzt eine schwierige Patrouille geritten wurde, sagte ich wohl: Tom, du bist krank; es wird besser sein, wenn du im Lager bleibst." Aber Tom antwortete:Oberleutnant, wie soll das gehen, wenn Tom nicht dabei ist?" So war es auch Anfang September, als nach dem Ge­fecht beiOwinaua-Naua zwei starke Patrouillen aus- ritten, um die Hereros zu suchen. Tom war ganz krank, bat aber so sehr, mitreiten zu dürfen, daß ich es schließlich erlaubte. Nach mehrtägigem anstrengenden Ritte kamen die Patrouillen zurück, nachdem sie den Auftrag glänzend erfüllt und sämtliche Stellungen der Hercros ausgekundschaftet hatten.

Tom und der Grdkmami.

Hauvtman» VvUmann.

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