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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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Feuern an. Es mochte zwei bis drei Minuten dauern. Die Schützen warfen sich alsbald links der Pad, etwa 50 Meter in Richtung auf Hamakari, im dichtesten Busch hin. Die feindlichen Geschosse, dieses Mal offenbar gut gezielt, flogen von links und vorn her auf die Schützen. Vorn Gegner war indessen nichts zu sehen. Kaum waren wir in Stellung, da kam von links ein eingeborener Soldat, ein Hottentotte, zurückgelaufen. Er hatte die blaue Erkennungsbinde ab­gestreift, strich sie aber mit blitzartiger Geschwindigkeit auf den Ärmel, als Zweifel an seiner Zugehörigkeit zur Truppe laut wurden. Ihm folgten Schützen der Patrouille des Leutnants Grasen von Arnim und der S.Feldkompagnie, denen Hanptmann Puder und Oberleutnant Bischofs nachkamen. Der Feind, an Zahl vielfach überlegen, hatte sich zwischen Spitze und Vortrupp geworfen nnd die Spitze größtenteils vernichtet. Ein Halten der Stellung vorn war darum nicht denkbar gewesen. Der Vortrupp hatte zurückgehen müssen. Die Mannschaft der 7. Feldkompagnie bildete von nun an den Kern des Widerstandes der Jnsantcriegruppc, die, außer den Leuten der 5. Feld­kompagnie und der Patrouille des Leutnants Grafen von Arnim, auch aus Maunschnslcn der 6. Feldkompagnie unter Leutnant von Frankeuberg sich zusammensetzte. Ältester anwesender Offizier war der Abteilungsführer Major von der Hehde, der sich in der Gruppe des Sergeanten Jhling auf der rechten rückwärtigen Seite der einem Hufeisen ähnelnden Schützenlinie befand.

Hauptmann Puder, als letzter von vorn in die Front der neuen Stellung zurückeilend, hatte sich eben hingeworfen, da hörte man im dichten, auf nicht 60 Meter zu durchblickenden Busch ein Geräusch, wie wenn eine Fußtruppe auf hartem Boden einen Anlauf ausführt. Ein anderer Vergleich ist schwer zu finden für die zu Hunderten laufende, heranhuschende, kriechende Masse, von der man größtenteils nur für Sekunden gute Ziele sah. Der An­griff erfolgte wellenartig von links, um die Flügel herumgreifend.

Sah man so gut wie nichts, um so mehr hörte man. Weithin erschollen Rufe wieHurry, Hurry, Tuitchmcn!"Trululu!"

Whumwhum"Owirombi!" Alles übertönt vom hundert- stimmigen Orlogsfeldgeschrei:Asfa-Kajaeta!" und dem deutlich hörbaren Geräusch fallender Schambokhiebe. Das Feldgeschrei aber bewies uns, daß wir den besten Orlog vom Damaraland, Swakop- und Nossob-Lente unter ihren alten Führern, die mit der Schutz- truppe manchen Feldzug Schulter an Schulter gegen eigene Lands­leute und Hottentotten gefochten, gegenüber hatten. Offenbar hatten die Hcreros den Glauben, vor sich nur ein kleines Häuflein zu haben, mit dem leichte Arbeit sei. Sie gingen mit außerordent­lichem Tatendrang vor. Während die vorn befindlichen Gewehr- träger, von Baum zu Baum, von Busch zu Busch huschend, im Zickzack laufend und springend, schössen, folgten weiter rück­wärts die Kirriträger in Trupps, aber jede, auch die geringste Leutnant Freiherr von Li»de,neis.

Hautitmann Brentana-Bernarda.