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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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Wasserstelle, ohne auf Gegner zu stoßen. Auf einer freien Anhöhe wird das Lager bezogen, und die Pferde werden getränkt. Die Funkentelegraphisten erhalten Verbindung mit der Hauptabteilung, die bei Hamakari in schwerem Gefecht steht.Sofort gegen Hamakari vorgehen!" lautet der Befehl des Hauptquartiers. Kurz vor 2 Uhr wird nun gesattelt und abgerückt. Die Bagage bleibt unter sicherem Schutz zurück. Unsere 5. Kompagnie unter Hanptmann Puder hat die Avantgarde; die Spitze führt Oberleutnant von Lekow. Bald sind wir im dichtesten Busch. Frisch geschlachtetes Vieh und brennende Feuer beweisen, daß hier noch soeben sehr viel Schwarze gelagert haben. Leutnant Graf von Aruim stößt mit einer Verbindungspatrouille zu uns. Der Busch wird noch dichter, da erhält die Spitze plötzlich heftiges Feuer; und gleichzeitig pfeifen auch uns die blauen Bohnen um die Ohren. Alles springt von den Pferden und stürzt schnell in die Schützenlinie, die Pferde den vorher bestimmten Pferdehaltern überlassend. Hauptmann Puder erhält einen Prellschuß am Ober­schenkel, aber dessenungeachtet bleibt er bei uns in der Schützenlinie und ermähnt, mit Ruhe zu schießen und Munition zu sparen.Jeder Schuß muß eiu Treffer sein!"

Einige Leute von der Spitze kehren zurück; die andern sind gefallen, darunter auch Oberleutnant von Lekow. Ein Schuß durch die Schläfe bereitete diesem uns allen lieb gewordenen, schneidigen Reiteroffizier den frühen Soldatentod. Leutnant Graf von Arnim brach mit einem Schuß durch beide Oberschenkel zusammen; eiu zweites Geschoß durchbohrte bald daraus seine Brust. Vom Gegner sieht man sehr wenig; aber die Geschosse kommen auS nächster Umgebung. Unser Feldwebel Jendis liegt schwer verwundet, und niemand kann ihn: Hilfe bringen. Da ertönt plötzlich der Ruf:Die Koffern nehmen unsre Pferde!" Sprung auf, zurück, marsch marsch!" befiehlt Hauptmann Puder. Schnell entschlossen springt der Gefreite Beide hinzu, seinen Feldwebel mitzunehmen. Der war aber bereits tot. Als ihm Beide nun die Waffen abnimmt, damit sie nicht den Schwarzen in die Hände fallen, erhält er einen Schuß durch die Backen und wird von Feinden umringt, die mit KirriS auf ihn einschlagen, daß er sich ihrer kaum erwehren konnte. Nach einigen kräftigen Hieben bekam er dann etwas Luft, und nun befreiten ihn ein Paar gut gezielte Schüsse unsrerseits von seinen Peinigern. Wir waren jetzt auf ein kleines Häuflein zusammengeschmolzen und von einer großen Übermacht umzingelt. Die Artillerie hatte auch vollauf mit sich selbst zu tun, um sich zu halte», und kau: auch nicht durch.

Wir sind verloren!" ertönten einige Stimmen.

Aber vorher müssen noch sehr viele andere Bestien dran glauben!" wurde geantwortet.

Mit unserem FeldgeschreiViktoria!" kamen uns die Schwarzen immer wieder zu Leibe; sie riefen auch:Herr Major, Herr Major!" undHerr Hauptmann, nicht schießen, nicht schießen!" Zuerst hätten wir uns dadurch beinahe täuschen lassen, aber bald hatten wir ihre List gemerkt und ließen sie dann ganz nahe heran, um sie richtig zu Gesicht zu bekommen.

Der Gefreite Schroeder der 7. Kompagnie hatte sich erboten, eine Meldung zur Artillerie zurückzubringen, kehrte aber nicht wieder. Mittlerweile war es dunkel geworden, als plötzlich eine Weiße Gestalt in den Büschen auftauchte und sich uns näherte. ES war Schroeder, der einen Streifschuß über die Brust erhalten hatte und dann von den Schwarzen, die ihn für tot gehalten hatten, vollständig ausgezogen war. So kam er mit dem bloßen Schrecken und einigen Blutstropfen davon.

Gegen 7 Uhr verstummte das feindliche Feuer. In einiger Entfernung hörten wir auf Ochsenhörnern blasen; damit sammelten die Kapitäne ihre Leute, und nun ließ der Gegner von uns ab. Wir traten jetzt, im Karree marschierend, den Rückmarsch an. Die Verwundeten wurden je von zwei Mann auf Gewehren oder in den Armen getragen. Plötzlich von rechts