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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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Wieder der Ruf:Viktoria!" Sofort kniet alles im Anschlage, denn wir erwarteten einen Überfall, hatten uns aber getäuscht. Es waren einige Pferdehalter mit Handtieren, die sich im Busch verirrt hatten und nun glücklicherweise zu uns stießen. Jetzt konnten wir wenigstens die Leicht­verwundeten auf die Pferde setzen. Um 9,30 Uhr langten wir im Lager an, wo man uns schon verloren gab.

Wenn wir an diesem Tage auch keinen ersichtlichen großen Erfolg errungen hatten, so hatte von uns doch jeder das Bewußtsein, ganz seine Pflicht erfüllt zu haben.

Neubecker,

ehem. Unteroffizier der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika.

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Wovon nährten sich unsere Reiter in Südwestasrika?

In den Feldzügen aller Zeiten hat die Verpflegungsfrage eine große Rolle gespielt. Ist sie schon bei europäischen Kriegen oft recht schwer zu lösen, so gestalten sich die Verhält­nisse noch schwieriger, wenn Truppenmassen in von der Heimat entfernteren Teilen der Erde Verwendung finden sollen. Vorausgesetzt, daß hier die Verpflegungsmittel nicht im Über­fluß vorhanden sind.

Die nachfolgenden Mitteilungen sollen dartun, daß neben den Verpflegungsmitteln auS der Heimat auch unsere Kolonie selbst weit reichere Nahrung bot, als das gewöhnlich angenommen wird.

Als Landeserzeugnisse kamen Brot, Backwaren, frisches Fleisch, Fische, Butter, Eier, Kartoffeln, Gemüse, Hafer und Gras in Frage fi. Daneben boten einige Feldfrüchte zeitweise Ersatz für fehlende Nahrungs- und Genußmittel. Wohl in keinem anderen Lande ist aber das für Menschen und Tiere unentbehrliche Wasser zeitweise so selten oder mangelhaft, wie in Süd­westafrika.

Wassermangel und fehlende Nahrungsmittel bildeten vielfach den einzigen Grund, daß geplante Unternehmungen nicht ausgeführt werden konnten oder vorzeitig eingestellt werden mußten. In einzelnen Gegenden, wie Windhuk, Warmbad, Barmen usw., sind heiße Quellen vorhanden, aus denen fortwährend Wasser fließt, das 60 Grad Celsius und mehr Wärme hat. In Wassersäcke gefüllt, kühlt es sich in etwa einer Stunde ab und bildet dann ein vorzüglich erfrischendes, gesundes Getränk.

Das Brot wurde mit dem aus der Heimat gesandten Mehl hergestellt. Die Fleisch- arten lassen sich in zwei Gruppen trennen, und zwar 1. von den Haustieren, 2. vom Wilde. Von den erstgenannten Arten kamen als Großvieh das afrikanische Rind und als Kleinvieh die Ziege und das Afrikanderschaf in Betracht.

Während früher nur zwei Ninderrassen: das Steppenrind des Hererolandes und das nördliche Owamborind vorkamen, gibt es seit einigen Jahren im Süden des Schutz­gebiets mit holländischem Blut gemischte Rinder, sogenannte Namarinder. Neuerdings sind wertvolle europäische Zuchttiere zur Aufbesserung der einheimischen Rassen eingeführt worden. Schließlich kamen als Schlachttiere noch die abgetriebenen und nicht mehr verwendungsfähigen Zugochsen in Frage. Diese Art frischen Fleisches war am wenigsten beliebt. Die Tiere hatten auf den starken Knochen nur geringe, zähe Fleischteile und fast kein Fett. Beim Kauen kam jedem die gründliche Untersuchung der Zähne gelegentlich der Beurteilung der Tropendienst- sählgkeit in Erinnerung. Das wichtigste ist das Steppenrind. Es hat vierjährig im Durch-

l) Doch wohl zum Teil nur in der Nähe der europäischen Farmen und Orte. (D. H.)