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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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schnitt allerdings nur 200 Kilogramm Schlachtgewicht. Das Owamborind ist aber noch kleiner und leichter. Bon den Namarindern besagen gleichaltrige Ochsen häufig 300 Kilo­gramm Schlachtgewicht.

Die Ziege, das afrikanische Haustier im eigentlichen Sinne des Wortes, gedeiht im Namalande in besserer Rasse als im Hererolande. Die Namaziegen erreichen fast die doppelte Größe der Hereroziegen. Wahrscheinlich ist dies eine Folge des Vorhandenseins bestimmter Futterbüsche im Süden der Kolonie, die ihre Wirkung in ähnlicher Weise auf das Afrikander- schaf äußern. Das Ziegenfleisch hat einen etwas strengeren Geschmack als das Schaffleisch, schmeckt indessen keineswegs unangenehm. Unendlich übertroffen wird es allerdings von dein der Fetthämmel, wie solche unter den Afrikanderschafen häufig in stattlicher Größe vorkommen. Die im Namalande gehaltene Rasse erreicht das hohe Schlachtgewicht von 30 Kilogramm. Das Fleisch besitzt einen außerordentlichen Wohlgeschmack und erinnert in nichts an den unangenehmen Talggeschmack europäischer Wollhümmel. Das auffallendste Merkmal dieser Tiere ist der Fett­steiß. Er wird ausgebraten und liefert dann eine weiche weiße Blasse, die sich längere Zeit hält und als afrikanischesGänseschmalz" berühmt ist.

Für die Verpflegung in den Etappenorten kamen Wild oder Feldfrüchte wenig oder gar nicht in Betracht. Marschierende Truppen und Kolonnen hatten dagegen öfter Gelegen­heit, den Wildreichtum des Landes kennen zu lernen.

Von dem Wilde ist die Familie der Antilopen am reichsten vertreten. Am größten ist das Eland oder die Elenantilope, die immer mehr auf den äußersten Osten verdrängt wird. Ihr in der Größe am nächsten kommt das Kudu, das in Rudeln bis 15 Stück die bergigen Land­schaften der Kolonie durchstreift. Es ist größer als ein Rind und liefert daher eine Menge sehr schmackhaften Fleisches. Vom Leder werden wegen seiner großen Festigkeit die Schwippen der langen Ochsenwagenpeitschen geschnitten. In denselben Gebieten lebt auch das Kaama oderHarte- beest. Der Gemsbock kommt nicht allein in den inneren Landschaften, sondern auch in den öden westlichen Gegenden vor. Er hat die Größe eines Esels und ist in Rudeln bis 50 Stück gesehen worden. Das Gnu oder Wildebeest im Osten und Norden scheint in mehreren Arten vorhanden zu sein.

Entschieden die schönste von allen Antilopen- arten ist der Springbock, der unser Reh an Größe etwas übertrifft. Er belebt die freieren Ebenen in großen Scharen und kann in regenarmen Zeiten durch Vernichtung größerer Grasflächen recht unbequem werden. Ferner müssen noch derSteinbock,Taucher,Klipp­bock, die Schimmelantilope, der Wasser- bock und auch der Hase genannt werden.

Von denVogelartenstehtderStra obenan. Während dessen Eier nähr- und schmackhaft sind, ist dasFleisch ein weniger gutes Nahrungsmittel. Tauben- und Hühner­arten gibt es mehrere. Besonders das Perl­huhn kommt zahlreich vor. Fische sind nur in den stets Wasser haltenden größeren Flüssen

oder in der Nähe der Küste zu bekommen. Proviant«,»ts-Am«n,t Mar Arntz.