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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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Geschoß traf ihn auf die linke Brustseite, schlug sich aber Platt auf der Patronentasche, in der noch vier Patronenrahmen hintereinander lagen. Wie gut, daß der Herr Hauptmann zuerst die Rahmen, von der rechten Seite benutzt hatte!

Als das Gefecht beendet war, und wir nach Kowes zurückkehrten, war es uns wie wohl immer nach einem Rückzugsgefechte, wenn auch heldenmütig gegen solche Übermacht ge- kämpft wurde. Wir sagten uns:Wie wird man darüber denken, daß wir eine Lafette stehen lassen mußten, nachdem alle Tiere abgeschossen waren?" Aber unser Vorgesetzter, der rühmlich bekannte Major von Estorff, hatte die schwere Lage richtig erkannt und ließ meinem Hauptmann heliographisch seine Anerkennung aussprechen. Mein Hauptmaun meinte damals: Es hätte mich auch nicht gewundert, wenn man mich vor ein Kriegsgericht gestellt hätte." Na, das konnte er wirklich nicht glauben, denn er hatte sich doch gehalten wie ein Löwe. Aber ich selbst, ich will meine Fehler nicht verschweigen, wenn auch mein Hauptmann sie mir nicht nachtrug. Ich hatte mein und des Hauptmanns Pferd während des Gefechtes zu halten. Weiß Gott, was den Tieren einfiel; vielleicht wußten sie, was das Pfeifen der Kugeln bedeutete, kurz beide Tiere rissen mir die Zügel aus der Hand, und fort machten sie, direkt nach Kowes, und meines Hanptmanns Gewehr, das am Sattel hing, nahmen sie mit. So war denn später der Hauptmann, 100 Schritt von den Leuten und 150 von den Hottentotten, ohne Schußwaffe. Na, ich kroch hin und gab ihm wenigstens meine Parabellumpistole und dann nahm der Haupt­mann im Zurücklaufen das Gewehr des toten Unteroffiziers Lengowski. Mit diesem Gewehr schoß dann mein Herr noch einige Hottentotten ab, die, über eine freie Flüche laufend, sich in unserer linken Flanke einnisten wollten. Ich sah, wie der eine einen komischen Lustsprung machte

und dann mit dem Rücken auf einem Dornenstrauch liegen blieb. Die Kugel hatte den Schädel durchbohrt.

Daß wir uns nicht verleiten ließen, vorzugehen oder halten zu bleiben und das Geschütz auf das andere Ufer herüberzuziehen, war sehr gut; denn durch Aussagen von Ge­fangenen stellte sich heraus, daß wir Simon Copper mit über 500 Ge­wehren uns gegenüber hatten. Dies ist alles, was ich zu sagen habe zum Gefecht von Kowes. Fast hätte ich vergessen, daß mein Hauptmann leider auch seinen Drilling einbüßte, den der eingeborene Soldat Bock- wete trug, der noch vermißt wird und wohl erschossen in irgendeinem Dornbusch liegt.

Gefreiter Wilke,

ehem. königl. sächs. Kanonier, dann Reiter der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika.

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Gefreiter Richard Wille.