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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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Stunden, kamen wir an eine Stelle, wo im Rivier Wasser stand. Lehmig zwar, aber es war doch Wasser. Zahlreiche Vieh­spuren bewiesen, daß die Hottentotten dort eben getränkt hatten.

Das hinderte aber die durstigen Leute trotz aller Warnung nicht, das Wasser ungekocht gierig einzuschlnrfen. Mein

braver Bursche, der frühere Bamberger Ulan Roß, holte sich dabei den Typhus und den Tod. Die vernünftige Über­legung zeigte, daß wir ohne Hafer, ohne Proviant mit unseren müden Tieren keinen weiteren Erfolg gegen den gewandten

Gegner, dessen Spuren in den verschiedensten Richtungen auseinander gingen, erhoffen konnten. Unsere drei Toten

waren wenigstens gerächt, fünf tote Hottentotten lagen dafür auf der Strecke.

Wenige Tage darauf ergab sich Sebulon mit 49 Ge­wehren in Gibeon. Als ich ihn dort sprach, gab er un­

umwunden zu, daß er nie geglaubt hätte, daß deutsche Soldaten ihm auch in seine unwegsamsten, verborgensten Schlupfwinkel folgen würden. Er zog es daher vor, Frieden zu schließen.

Dr. Lion,

Stabsarzt der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika.

Notiz des Herausgebers. Deutlich geht aus diesem Bei­spiele hervor, daß auch die Mitglieder des Sanitätskorps gelegentlich in den Kampf eingreifen mußten. Die segensreichen Vorteile desRoten Kreuzes" blieben ihnen, wie den Kranken und Verwundeten, in diesem Kriege versagt es lag ihnen daher nicht selten die doppelte, chrcnreiche Tätigkeit ob, nach schwerem Waffengange sich der Sorge um die Ver-

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Ein Truppendichter.

An dasZelte-, Posten-, Werdarufen" wird man unwillkürlich erinnert durch die Verse, die der Dichter der 7. Kompagnie im Feldlager niederschrieb am Auob. Solche Kameraden frischen nicht selten Stimmung und Energie in der Truppe auf und find wahrlich nicht zu unter­schätzen, besonders, wenn sie, wie Otto Pahl, auch im Kampfe sich das schwarzweiße Band er­ringen. Ich erinnere an den braven Kutschke von 1870/71, den ich selbst später in Breslau kennen lernte. Auch er trug das Eiserne Kreuz. Übrigens schrieb mir Pahl mit Stolz, daß auch sein Vater den Deutsch-Französischen Krieg mitgemacht hat.

D. H.

mundeten zu widmen.

Stabsarzt vr. Lion.

Reiter Otto Pahl.