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Und erst am dritten Tage,
Nach großer Müh' und Plage Und manchem blut'gen Strauß,
Riß Hendrik endlich aus.
Gewonnen war die Schlacht,
Der Not ein End' gemacht.
Das Wasserloch — mehr braucht's ja nicht. Die Gelben hatten Wichs' gekriegt.
9. Der Au ob ist vom Feinde frei.
Allein man munkelt allerlei,
Hendrik sei in Verlegenheit,
Weil er die Hottentottenleut'
Nun hat ins Unglück doch geführt Und er den Strick am Halse spürt.
Denn für den Kopf des Hottentotten 5000 Mark sind schon geboten.
's ist viel, das sieht der Hendrik ein,
Und unsere 7. möcht' es sein,
Die unter ihre braven Jungen Den Preis verteilt, den sie errungen.
10. Doch sollt's uns nicht gelingen,
Den Kopf uns zu erringen —
So macht's uns auch nichts aus,
Wenn wir nur komm'n nach Haus Gesund und ohne Schaden Und reich an Ruhmestaten.
Es schlägt in uns ein deutsches Herz Wie Gold so echt und fest wie Erz.
Welch Glück, das Vaterland begrüßen,
Das wir voll Mut so stolz verließen!
Und sind wir erst im Elternhaus —
Nicht lang — dann ziehn wir wieder 'naus.
Otto Pahl,
ehem. Reiter der 7. Komp. 2. Feldregiments der Kaiserl. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika,
z. Zt. Kägelin, Kr. Neuruppin.
* -i-
Vier Tage allein und verwundet zwischen den Hottentotten.
Erlebnisse auf einer Patrouille am Hudup, 2. bis 9. März 1905.
„Fassen sie mich, dann sterbe ich eines elenden Todes nach schmachvoller Verstümmlung! Gnade kennt der Feind nicht. Wer gefangen wird, der stirbt!"
In diesen wenigen Worten läßt sich die Erklärung für die große Zahl heroischer Taten finden, wie sie in Kriegen zwischen Kulturvölkern selten erreicht werden. Was ein Mann an Überwindung von Hindernissen, selbst mit Wunden bedeckt, leisten kann, das zeigt die einfache Erzählung des Unteroffiziers Wille. Gerade in der Schmucklosigkeit liegt die Überzeugungskraft:
„Am 2. März 1905 hatte ich wieder einen Patrouillenritt — einen Befehl von der Abteilung in Kub an die Abteilung des Hauptmanns von Zwehl zu überbringen.
Wir waren zwei Mann. Am Nachmittag faßten wir beide, Ingenieur Lang und ich, Proviant für fünf Tage und ritten dann gegen 5 Uhr ab. Als wir drei Tage unterwegs waren, mitten im Hudupgebirge am Keitsub, wurden wir, als wir im Trabe um einen Hügel ritten, plötzlich von 16 bis 18 Hottentotten, die hinter den Sträuchern lagen, mit einer Gewehrsalve überschüttet. Mein Kamerad Lang preßte die Hand auf die Brust und sank nach hinten mit dem Rufe „Eu!" (bedeutet „Ach") vom Pferde. Er war durch Kopf und Brust getroffen. Mein Pferd stand gleich kerzengerade auf den Hinterfüßen und stürzte dann zusammen. In dem Moment hatte ich schon mein Gewehr aus dem Gewehrschuh und nahm gleich hinter meinem Pferde das Feuer auf. Längs Pferd lief noch drei bis vier Meter und brach dann, auch getroffen, zusammen. Ich bekam nun auch einen Schuß nach dem andern. Von den Gegnern hatte ich schon zwei tot und einen kampfunfähig geschossen. Jetzt wurde mir auch noch das Gewehr zerschmettert. Ich verlor dabei den rechten Zeigefinger und konnte nicht mehr weiter feuern. Das Gewehr von Lang konnte ich unmöglich holen, da der Feind nur 15 Meter im Halbkreis von mir entfernt lag, und zu dem anderen Pferde