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sie mit Wasser und nahm sie mit. Nach fünf Stunden kam ich aus dem Gebirge, und jetzt ging es immer bergab, bis ich wieder den Fluß überschritt. Ich ruhte hier kurze Zeit, füllte wieder meine Flaschen und ging dann das Kaigurubplateau entlang. Gegen Mittag des folgenden Tages kam ich auf der Heliographenstation Hanaus an. Die Freude war groß, nach dieser Tour wieder die ersten Deutschen anzutreffen. Ich gab nun gleich ein Telegrarnm nach Gibeon auf und benachrichtigte über den Überfall und einzelne Punkte von den Werften, wo die vielen Eingeborenen noch saßen. Auch bekamen wir Licht aus dem Hudup und von der Abteilung von Zwehl, die gerade bei Keitsub, an der Überfallstelle, angelangt war. Mir wurde gleich etwas Brot und Kaffee gereicht. Nachdem ich mich etwas gereinigt hatte, machte ich mich abends 5 Uhr wieder auf die Beine und ging noch bis Gibeon. Es war 12,30 Uhr, als ich, ganz ermüdet, hier ankam. Weinen mußte ich vor Freude, als ich die ersten Häuser von Gibeon passierte. Ich wurde nun gleich von Herrn Oberarzt Zimmer verbunden, und dann ins Bett gebracht. Am nächsten Tage mußte ich den ganzen Sachverhalt erzählen und wurde dann zum Lohn dafür zum Kriegsverdienst eingegeben, was ich nun auch mit Dank erhalten habe, auch das Preußische Militärehreuzeichen 2. Klasse wurde mir zuteil."
Friedrich Wilke,
ehem. Reiter der Kaiserl. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika.
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Abenteuer eines Frischlings.
Wir erreichen auf dem Dampfer „Lulu Bohlen" die Küste.
Kurz vor Swakopmund liegt der im Januar 1905 gestrandete Dampfer „Gertrud Woermann". Wir kommen näher an Land; wie sehnten wir uns danach; denn seit Monrovia sahen wir acht Tage lang nur Himmel und Wasser; rasch werden die Goerzgläser hervorgeholt, um die Kolonie zu beobachten, doch so weit das Auge sieht, nichts als Sand. Im Hintergründe tauchen die Erongoberge auf. — Bei Swakopmund münden die im Sommer meist wasserlosen Flüsse Swakop und Khan in den Atlantischen Ozean. Die Brandung ist hier so groß, daß die Schiffe oft wochenlang vor der Reede liegen, ohne ausladen zu können. Die neue Mole verbessert indessen vieles. Zwischen Swakopmund und Lüderitzbucht liegt die englische Walfischbai. Sieben dieser Walfische schwimmen stolz an uns vorüber; allmählich erblicken wir Angra Pequena oder Lüderitzbucht. Vor ungefähr 80 Jahren siedelte sich dort ein Bewohner der Kapkolonie, namens Lüd eritz, an und benannte das Land nach seinem Namen. Sein Sohn ist heute noch Besitzer in Lüderitzbucht und stand lange in Regierungsdiensten als Konduktor. Wir fahren in den Roberthasen ein, ein sackartiger Naturhafen, der der Brandung und den Winden Trutz bietet. Rechts von der Einfahrt liegt die Haifischinsel, auf welcher sich das Feldlazarett 12 mit einem Bezirk für Gefangene befindet. Vor uns liegt das Ufer, auf dem einige Zelte und Wellblechbuden errichtet sind. Aus Stein ist bloß das Offizierkasino. Wo das Auge hinsieht, erblickt es Sand, hellgelben Sand, im Hintergründe hohe (200 bis 500 Meter) Dünen und nackte Klippen. So ist ziemlich überall der Strand von Deutsch-Südwestafrika beschaffen; die Sanddünen bilden einen Gürtel bis 120 Kilometer ins Land hinein. Man nennt sie „Namib".
Es läßt sich denken, wie sehr sich jeder von uns an das Land sehnte. Doch wurden wir auf eine harte Geduldsprobe gestellt. Falsche Gerüchte, sogenannte „Blechparolen", liefen täglich zu Hunderten ein. Man sprach von Eilmärschen, da man ohne uns nicht weiter