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operieren könnte, und was dergleichen Unsinn mehr ist. Die fieberhafte Unruhe stieg noch, als wir angesichts der Küste zwei lange Tage auf dem Schiff verbleiben mußten. Es gab ja noch so viel Arbeit. Alle Stallungen mußten von uns reingemacht werden. Die Pferde wurden aus folgende praktische Art ausgeladen: der Gaul wird in einen mit zwei Türen versehenen Kasten geführt und mittels Kran in ein großes Floß, worauf 40 Tiere Platz finden, heruntergelassen. Eine Pinasse fährt das Floß nahe ans Land. Nun werden die Pferde ins Wasser getrieben, damit sie vollends das Land erreichen. Dort stehen Buren und Kapboys, die, mit Mauleseln beritten, die Tiere von der Bai in den etwa eine Viertelstunde landeinwärts gelegenen Kamp treiben. Dort schafft man die Pferde in Krale.
Endlich wurden auch wir ausgeschifft. Das Herz pochte mir lauter, als ich den Fuß auf afrikanischen Boden setzte. Eine Welt von Gedanken durchschauerte mich, und ich mußte mich fragen: was wirst du hier alles erleben? Zwar hatte ich nicht lange Zeit, mich meinen Gedanken zu überlassen; denn so wüst und öd alles war, bot es doch einen fremdartigen, ungewohnten Anblick dar und hatte einen geheimen Zauber für uns. Einige kleine „Bambusen" jagten auf ungesattelten Pferden heran, wie kleine Teufel reitend. Das Wort „Angetreten!" riß mich aus meinen Betrachtungen. Wir gehörten zur 4. Fnhrparkkolonnenabteilung und hatten unsern Sitz im Kamp. Dort empfing uns ein großes Zelt, worin wir es uns recht bequem machten. Wir erhielten jeder vier Decken und verbrachten so die erste Nacht im Sande
auf afrikanischem Boden. Später lernten wir auch unsere Umgebung genauer kennen und erstaunten, mit welcher Leidenschaft hier dem Spiel gefrönt wurde. Kleine Tischchen, auf welchen sechs numerierte Felder gemalt waren, bildeten die ganze Spielbank. Man setzte beliebig auf ein Feld, und warf der Würfel die gleiche Zahl, hatte man den Einsatz und den Betrag des Einsatzes dazu gewonnen. Im Nu hatten einige Kameraden viel Geld gewonnen oder verloren. Einer, der auch bis spät am Spieltische stand, hatte dritte Nummer und sollte um 2 Uhr nachts auf Posten ziehen. Den Patrouillen- gang hatte er durch das Kamp und durch die Zelte des Durcheinanders von Menschen zu machen. Es waren Spanier, Portugiesen, Russen, solche, die nicht in den Krieg gegen Japan wollten, Australier, Amerikaner, Franzosen und andere mehr. Dann mußte er um die Krale, die ziemlich groß und lang waren. Lüderitzbucht war damals noch das Hauptdepot für die Tiermassen der Kolonnenabteilung.
Mürrisch und verschlafen zog der Posten auf. Er war noch ein 45
Deutsche Reiter in Südwest.
„Mürrisch und verschlafen zag der Puste» auf."