Dokument 
Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
Entstehung
Seite
346
Einzelbild herunterladen

346

Reiter Hans Alber.

Sollte er nähertreten?

Frischling in Afrika, denn sein Transport war kaum vier Wochen am Land. Wie er von dem Kamel- kral zum Donkeykral ein­bog, fesselte etwas seine Blicke. Der Mond schien mit wunderbarem Lichte auf das Gelände; es war ein schöner Anblick, eine Nacht, so herrlich, wie es ja in Afrika viele gibt. Er schien etwas Besonderes zu sehen und trat hinzu, ohne aus der ganzen Sach­lage klug zu werden. Schon ahnte er ein seltsames Abenteuer. Am Boden lag eine Donkeyeselin, andre standen neugierig umher. Aber was war das? Was erschien denn so glänzend im Mondenschein? War das die glitzernde Haut einer Schlange, einer Boa? Des Neulings Phantasie sah schon, wie das gräßliche Die Bestie konnte sich ja

Ungeheuer den armen Donkey umschlingt, auch gegen ihn wenden.

Schnell herkommen, Alber, Alber, schnell ehe es zu spät!" ruft er, angstvoll die Schußwaffe umklammernd. Wir eilen herbei, treten in den Kral heran an die Eselin und erkennen statt der Boa ein eben geborenes Füllen. Die Heiterkeit, die dieser unerwarteten Entdeckung folgte, läßt sich schwer beschreiben; noch am selben Abend faßte ich die Schreckens­szene in ein Gedicht, dessen letzter Vers lautete:

Nicht einer Schlange schrecklich Grausen, Nein, einen Neuling durft er schaun. Enttäuscht jetzt, wendet er den Rücken, Beschämt er sich von dannen stahl.

Am Mutterglück nimmt mit Entzücken Jetzt teil der ganze Donkeykral."

Hans Alber,

ehem. Reiter der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika, z. Zt. Basel.

H *

*