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einigermaßen frisch. Mit dem Rest des Blutes füllten wir unsere Feldflaschen. Inzwischen war es sehr heiß geworden; deshalb brachen wir erst gegen 4 Uhr nachmittags auf; die letzten beiden Maultiere, die wir hatten, wollten aber nicht mehr weiter; wir mußten sie zurücklassen.
So gingen wir denn alle zu Fuß. Unterwegs schössen wir noch eine tragende Ricke und tranken gierig das Fruchtwasser. Weit jedoch kamen wir nicht. Etwa eine Stunde nach dem Aufbruch machte sich bei meinen weißen Leuten eine so bedenkliche Erschlaffung bemerkbar, daß ich halt machen mußte. Vor allem der Reiter, der das Dicke Nom Blute getrunken, war total erschöpft. Ich schickte daher die beiden Hottentotten, die noch ziemlich munter waren, mit unseren Wasserbeuteln nach der Wasserstelle voraus, um Wasser heranzuholen. Die Zeit, bis die Schwarzen wiederkamen, war entsetzlich. Würden sie überhaupt wiederkommen? Von Speise bekam man keinen Bissen herunter, die Zunge war ganz dick. Gehör- täuschungen traten ein.
Um den Durst nur einigermaßen zu ertragen, zogen wir uns ganz nackt aus. Die kalte Nacht brachte etwas Linderung. Die Hitze war aber schon am nächsten Morgen wieder entsetzlich. Wir tranken schließlich das in der Nacht gekühlte eigene Wasser; für einen Moment feuchtete das wenigstens den Gaumen an. Bald aber brannte es wieder furchtbar in: Mund. Wenn jetzt feindliche Hereros gekommen wären, wir hätten kaun: die Energie gehabt, unsere neben uns liegenden Gewehre auf sie abzufeuern. Es war uns alles egal. -— Mittags plötzlich ein Freudenstrahl! Wolken verdüsterten plötzlich die sengende Sonne, und unwillkürlich beteten wir zum Himmel, daß es doch regnen möchte. Wirklich, es fielen ein paar Tropfen. In Stiefeln und Hüten fingen wir sie auf und leckten sie gierig ab; zum Trinken war es leider zu wenig. Es hatte aber etwas erfrischt. Doch bald war's vorbei: die Sonne kam wieder vor und brannte aufs neue herunter.
Wieder ein kleiner Hoffnungsstrahl: wir wühlten verzweifelt im Boden und fanden einige Wasserwurzeln, die wir aussogen. Von den Schwarzei: aber immer noch nichts zu sehen. Der Abend brach herein; da endlich gegen 7 Uhr tönten die drei verabredeten Schüsse. Wir schössen wieder; es wurde noch einmal geantwortet; wir waren sicher: die Hottentotten kehrten zurück. Eine halbe Stunde darauf erschienen sie auch mit Wasser!
Wie Tiere stürzten wir uns darauf. — Man lernt in Afrika, wenn man es vorher noch nicht weiß, daß Wasser gut schmeckt. Wir konnten jetzt auch wieder essen. Ich beschloß, noch eine Stunde zu ruhen und dann gestärkt die kühle Nacht zu benutzen, um die Wasserstelle zu erreichen. Um 9 Uhr abends ging's los. Wir fühlten uns frisch, um mindestens fünf Stunden marschieren zu können. Aber wir kamen nur eine Stunde weit, dann kau: die Reaktion. Wir konnten nicht mehr weiter. Den einen Hottentotten schickte ich nochmal voraus nach Wasser, und wir kamen am Morgen des 5. Oktober noch vier Stunden vorwärts, so daß wir noch etwa sechs Stunden bis zur Wasserstelle hatten. Der mit Wasser zurückkehrende Hottentott brachte uns die erfreuliche Nachricht, daß ein Ochsenwagen, den er zufällig an der Wasserstelle getroffen, uns entgegenfahre. Dieser langte auch gegen Abend bei uns an und brachte uns endlich am Morgen des 6. Oktober an die heißersehnte Wasserstelle.
Im Laufe des Tages traf dort noch Oberarzt Dr. Eckert aus Gobabis mit einem Krankenwagen ein, um uns zu Hilfe zu kommen; wir waren bereits tot gesagt. Dr. Eckert hatte stärkende Getränke bei sich und viel zu essen. Uns hat Wohl niemals etwas so gut geschmeckt als das Mittagessen mit Dr. Eckert zusammen am 6. Oktober 1905. Ihm sei hier nochmals unser bester Dank entgegengebracht! — Die weggelaufenen Tiere waren tatsächlich an der Wasserstelle gewesen und mir von befreundeten Buschleuten nach Ums entgegengetrieben worden; auf dem Wege dorthin aber waren sie, erschreckt durch eine Kamelpatrouille, nochmals ausgebüchst.