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Nach drei Tagen hatte ich sie jedoch alle bis auf 20 Stück wieder, die wohl verdurstet sind. Sie waren zum Teil 200 Kilometer gelaufen, und zwar den Weg zurück, den wir gekommen. Ein großer Teil wurde in Gobabis gefangen.
Zwei Tage nach der eben geschilderten Durstpatrouille ritt ich allein mit meinen beiden Hottentotten von Kaichab aus nach Westen, um eventuell noch Spuren von vermißten Maultieren zu schneiden. Unterwegs nahm ich einen mit einem Martini-Gewehr bewaffneten Herero gefangen, der sich hinter einem Busch verborgen hatte; ich war an die Stelle gekommen, bis zu der ich wollte, hatte keine Spuren gesehen und
machte halt, um zu rasten. Am andern Morgen um
3 Uhr traten wir den Rückmarsch an; direkt nach Ums, wo meine Kolonne lag. Die beiden Hottentotten ritten mit dem Gefangenen voraus; ich hinterher. Nach einer Viertelstunde fiel mir auf, daß sie ja ganz verkehrt ritten. Ich merkte es an einem Stern, der unterging; wir ritten gerade drauf zu und mußten doch entgegengesetzt reiten. Ich rief den Kerls zu: „Wir reiten ja falsch"; da antworteten sie: „Ja, Lütnant, wir reiten falsch!" Das war mir doch sehr verdächtig, zumal die Hottentotten sich fortwährend mit dem gefangenen Herero unterhielten. Diese Naturmenschen sollten sich so in der Richtung geirrt haben? Es war nach den bisherigen Erfahrungen geradezu undenkbar. Ich machte kehrt. Während des weiteren Verlaufs des Rittes machten die Kerls nochmals den Versuch, mich irrezuführen. Endlich kamen wir an die bekannte Pad (Weg), die uns direkt nach Ums führte.
Ich übergab den Gefangenen einer dort gerade liegenden Kompagnie, die in den nächsten
Tagen, von dem Herero geführt, eine ziemlich starke Werft aufhob, die in derselben Richtung lag, wohin die Hottentotten mich hatten irreführen wollen. Diese bekamen nun, wo ihre Tücke klar war, ihre 25 aufgezählt. Das Benehmen der beiden Hottentotten, die mich doch zuerst vom Verdursten gerettet hatten und dann dem Feinde überliefern wollten, ist ganz charakteristisch für ihren Stamm. Sie suchen sich zuerst bei ihren: Herrn durch eine Guttat einzuschmeicheln, um ihn nachher um so sicherer betrügen zu können. Nur so erklärt sich auch das Verhalten
Oberleutnant Martin Wernicke.
Von Hendrik Witbooi.
Martin Wernicke,
ehem. Oberleutnant der Kaiser!. Schntztruppe f. D.-Südwestafrika, z. Zt. Baden-Baden.
„Da wußte ich erst, daß ich unter dem Wagen liege!'
Ich bin von der 5. Speckkolonne. Wenig Erlebnisse, aber ruheloses Leben, wie die Zigeuner! Mal schlechte, mal gute Zeiten! Wie's gleich am ersten Tage nach der Landung in Swakopmund zuging, das will ich erzählen; es ist ein Bild aus dem vollen.
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