Dokument 
Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
Entstehung
Seite
352
Einzelbild herunterladen

852

Simon Copper machte den Kessel zu."

Am 24. März 1905, nachts 11,30 Uhr, kam eine Patrouille von Huguis nach Aminuis in der Kalahari gejagt und meldete, daß dort Hottentotten wären. Unter­offizier Weigert habe gerade ein an der Wasserstelle gesatteltes, frei dastehendes Pferd am Zügel nehmen wollen, als auch schon zehn Arme nach ihm griffen. Nur seinem flotten Afri­kanerpferd habe er es zu verdanken, daß er mit einigen Sätzen aus dem Bereich der gelben Rasse kam. Da es stockfinstere Nacht war, fanden es jedenfalls die Hottentotten zwecklos, hinterher zu schießen.

So meldete Unteroffizier Schmarsow an den Oberleutnant von Baehr. Gegen 4 Uhr morgens, am 25. März, trabten wir, 31 Gewehre stark (von der 4. Kompagnie 1. Regi­ments unter Oberleutnant von Baehr) von Aminuis in der Kalahari auf Huguis zu. Von den 31 Gewehren waren 13 Unteroffiziere; denn da diese die besten Pferde hatten, gingen sie lieber überall hin, als daß sie die Tiere abgaben, und dieses erklärt auch zur Genüge die hohe Zahl. Dann rechneten der Oberleutnant, der Oberarzt, zwei eingeborene Soldaten und 14 Mannschaften zu den 31 Gewehren. Halbwegs wurde haltgemacht, um den Anbruch des Tages abzuwarten. Alsdann wurde mit Sicherung bis kurz vor Huguis geritten. Ungefähr 800 Meter von der Wasserstelle entfernt wurde im Galopp aufmarschiert und in derselben Gangart die vorliegende Fläche bis an das Wasser durch­ritten. Allgemeines Staunen, daß wir kein Feuer erhielten. Zwei Patrouillen jagen sofort nach rechts und links vorwärts, um hinter die ungefähr 1000 Meter entfernten Dünen zu sehen. Die linke Patrouille kehrt nach einigen Minuten mit der Meldung zurück:Un­gefähr 200 Pferdespuren sind in der Richtung nach Aminuis gefunden!" Also während

wir aus Aminuis ausrückten, marschierten die Hottentotten dahin, um das Vieh von den dort wohnenden Betschnanen zu holen! Das wäre eine nette Beute gewesen, denn es waren an 2000 Stück Großvieh und noch mehr Kleinvieh da. Wir setzten uns nun auf die Spuren der Hotten­totten und trabten scharf vorwärts. Drei Kilometer vor Aminuis, in einem Dünenkessel, bekamen wir auf 150 Meter Feuer. Es war, als wenn ein Landwirt Erbsen säet! Die Hottentotten dachten entweder, sie hätten uns schon, oder sie waren verblüfft. Jedenfalls schössen sie dieses Mal ganz gegen ihre Gewohnheit schlecht. Unteroffizier Hundertmark rind drei Mann waren verwundet und einige Pferde gefallen. Hinter , einer kleiner Düne bekamen wir etwas Deckung, sprangen ab und nahmen das Gefecht auf. Jetzt schössen die Hottentotten aber besser. In kurzer Zeit waren die meisten Pferde erschossen, und wo jemand den Kopf etwas zu hoch hob, Pfiffen ihm auch schon ein Dutzend Kugeln an der Nase vorbei. Simon Copper, der die Hottentotten befehligte, machte jetzt den Kessel zu. Oberleutnant von Baehr ließ die Verwundeten zurückbringen. Er und Wachtmeister Koch deckten mit je zehn Mann den Rückzug. Als die Verwundeten an der nach rückwärts gelegenen Düne ankamen, tauchten oben auf derselben schon die Hottentotten, stehend, wie eine Bilder­galerie, auf. Wie unsinnig schössen sie aus uns, die letzten Pferde

Sergeant R. Arendt.