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Es war 8,30 Uhr morgens, als er fiel. — Elf Stunden noch, bis 7,30 Uhr abends, lagen wir auf unsern! Fleck, vom feindlichen Feuer zugedeckt, konnten nicht vor- — noch rückwärts. Doch die glühende Sonnenhitze, der Durst und Hunger, alles war nichts gegenüber dem Gedanken, der uns den ganzen Tag quälte: unser Hauptmann ist tot -— was nun? Es waren keine leichten Stunden, die wir damals durchlebten, gnädige Frau; so wie ich, dachte wohl jeder Reiter der Kompagnie."
von Kalckreuth,
Leutnant der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika.
Über Hereros und Hottentotten.
Man darf die beiden Stämme kaum in einem Atem nennen, denn gemeinsam ist ihnen nur die Feindschaft gegen die deutschen „Eindringlinge", die Verschlagenheit, Falschheit, Verschlossenheit und Hinterlist.
Was nun das Eindringen betrifft, so sind beide Stämme selbst eingedrungen in das jetzt deutsche Land und haben die schwächeren Damaras und Buschmänner, die Ur- bewohner, mit Gewalt verdrängt. Aber nicht, um Kultur zu bringen, sondern nur aus Purer Selbstsucht — der guten Weiden wegen; denn beide Stämme sind Viehzüchter. Die Hereros aber, die hochgewachsenen, kraftvollen, selbstbewußten Neger mit tiefschwarzer Hautfarbe und stolzer Haltung sind ein Herrenvolk — der Arbeit abgeneigt. Sie benutzen die schwächeren Buschmänner nur für ihre Zwecke. Sie erbauen ihre Wohnungen — Pontoks —, Hütten aus Fasern und Lehm hergestellt, in der Nähe der Wasserstellen und Viehweiden. Zwar sind sie kriegerisch veranlagt, aber ihre Kriegskunst erstreckt sich nur auf den gegebenen Moment. Es fehlt ihnen das nachhaltige Durchführen eines Kriegsplanes, wie es sich bei den Hottentotten zeigt. Tapfer, ja heldenhaft im Kampfe, verfallen sie nach dessen Ende einer oft apathischen Sorglosigkeit.
Anders die Hottentotten, die Witboois, die Bondelzwarts, die Feldschuhträger, die den Süden bewohnen. Die tief braungelben Stämme sind körperlich kleiner als die „Schwarzen", aber unvergleichlich kultivierter und unterrichteter. Erstaunlich ist z. B. stellenweise ihre Sprachkenntnis. Am zivilisiertesten sind die — uns treugebliebenen — Bastards von Hottentotten und Buren oder Holländern.
Die Hottentotten sind durchaus kriegerisch veranlagt und haben im Kleinkriege eine große Gewandtheit entwickelt. Freilich war ihr bedeutendster Feldherr — Morenga — ein Schwarzer. Im Grunde sind sie alle Räuber und Viehdiebe. Auch sie, gleich den Hereros, zeigten die hervorragendsten Soldatentugenden, wenn es sich um die Sicherung von Vieh und Wasserstellen handelte.
Bewaffnet waren beide Rassen mit modernen Hinterladern, Modell 88, oder doch mit guten Feuergewehren, von denen sie selbst die minderwertigen mit Geschick handhabten. Ihre Feuerdisziplin und Munitionssparsamkeit muß vollauf anerkannt werden. Die Waffen der Wilden.
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Reiter Karl Schmadainsky.