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Bogen und Speer, kennt man in Südwest nicht mehr. Dagegen dient das Kirri, eine schwere, meterlange Keule aus härtestem Holze, als Handwaffe.
Beide Stämme trugen vielfach die Uniformen deutscher Gefallener oder solche, die in Transportüberfällen geraubt waren. Sogar deutsche Fahnen führten sie und brauchten deutsche Losungsworte. Im Ertragen von Hunger und Durst waren sie den deutschen Truppen durch von Jugend auf gewohnte Entbehrungen weit überlegen.
In unseren Truppen legten fast alle Offiziere die Erkennungsabzeichen ab, weil die äußerst scharf sehenden Feinde die Führer besonders aufs Korn nahmen. Ja, schon ein leitender Wink mit der Hand genügte ihnen, an dieser Bewegung den Vorgesetzten zu erkennen.
Den gewohnten Kulturannehmlichkeiten mußten übrigens auch wir Europäer gründlich entsagen lernen: „Wegen Wassermangel ist das Waschen verboten!" Das war gar kein Ausnahmebefehl. Wie sahen wir aus nach wochenlangem Biwak! Und wie sehnten wir uns nach Brot, Milch, Kartoffeln, Eiern! Immer Reis, Büchsenfleisch und schlechtes Wasser. Dürftige Nahrung hatte uns Typhus, Malaria, Skorbut und Herzkrankheit gebracht; denn das Klima ist ungünstig — warme Tage, kalte Nächte — nicht selten Eis. Das Land ist durchweg kulturfähig, und wenn erst der Wassermangel durch Brunnen und Stauwerke beseitigt ist, versprechen ungeheure Landslächen für später eine blühende Kultur.
Karl Schmodginsky,
ehern. Reiter der Kaiser!. Schutztrnppe f. D.-Südwestafrika, z. Zt. Schönlinde.
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An der Kalahan.
In einer Reihe von Berichten dieser Sammlung aus dem Kreise der ihm unterstellten Offiziere und Mannschaften wird des Majors von derHeyde vielfach gedacht in der Erinnerung an den schweren Kampf, den er am 10. August gegen einen übermächtigen Feind unter schweren Verlusten so mutvoll bestand. In einen späteren Abschnitt seiner bedeutungsvollen Tätigkeit — an die Grenze der Kalahariwüste — führt uns der tatkräftige Offizier nun selbst durch Tagebuchblätter aus den Monaten Dezember 1905 und Januar 1906. Es galt damals, mitunter in harten Kämpfen, die gegen das Betschuanaland zurückgewichenen Hottentottenbanden von den Wasserstellen zu vertreiben und sie entweder zu vernichten oder auf britisches Gebiet zu drängen. Major von der Heyde lag in Gobabis, von wo aus er mit seinem Stäbe allein bis zur Station Aminuis vorritt, als die Meldung über Ansammlungen von Hottentotten eintraf.
Aus den Tagebuchblättern folgen hier einige kurze Auszüge:
„Seeis, den 12. September 1905.
Soeben trifft Telegramm von Exzellenz Trotha ein: „Hottentottenbanden sind- von Aubes in nordöstlicher Richtung abgezogen. Kommando des Ostbezirks begibt sich nach Aminuis; Awadaob ist zu besetzen!" So muß ich denn meine Truppen hier im Stich lassen, mit meinem Stäbe über Gobabis nach Aminuis eilen. Die Besetzung von Awadaob war bereits von mir angeordnet, so habe ich weiter keine Sorgen, als möglichst schnell nach dem bedrohten Süden meines Bezirks zu kommen.
Aminuis, den 10. Oktober 1905.
Die etwa 300 Kilometer lange Strecke von Seeis bis hierher habe ich in sieben Tagen zurückgelegt. Es reitet sich angenehmer und schneller nur mit dem Stäbe allein als