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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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mit der Truppe. Der ganze Stab besteht aus zwei Offizieren, zwei Unteroffizieren, fünf Reitern und zwei schwarzen Bainbusen. Unser Gepäck, das im wesentlichen aus der Akten- kiste, der Verpflegung für Roß und Reiter und unseren Schlafdccken besteht, wird auf einer gut bespannten Eselkarre befördert, die mit den Reitern trotz schlechter Wege im großen und ganzen Schritt halten kann. Natürlich wird nur in den späten Abend- und den frühen

Morgenstunden marschiert, über Mittag muh man Rast an einer Wasserstelle machen. Die

nächtlichen Nastpausen richten sich nach Auf- und Untergang des Blondes, d. h. solange der Mond scheint, wird marschiert, und nur während der Dunkelheit geruht. Natürlich sind diese nächt­lichen Ritte auf die Dauer doch angreifend, und ich war daher froh, als ich von der letzten Anhöhe aus Aminuis im scheidenden Sonnenschein vor mir liegen sah. Der Anblick von Aminuis hat bisher noch immer seinen eigenen Reiz auf mich ausgeübt. Da liegt vor dem Be­schauer anscheinend ein großer verschneiter See, umgeben von bewaldeten Höhen, und an einer Ecke dieses Sees erblickt man die vier Häuser, welche im Verein mit den Zelten eines Feldlazaretts und den Hütten des Betschuanendorfes die Station Aminuis ausmachen. Bald ist das See- ufer erreicht, doch nicht Eis und Schnee ist es, was die weiten Flächen bedeckt, sondern Salz. Derartige Salzpfannen gibt es in dieser Gegend mehrere, doch keine reicht an Größe und Schönheit der Landschaft an die von Aminuis heran.

Aminuis ist eine katholische Missionsstation und war bis zum Ausbruch des

Nufstandes militärisch nur mit drei bis vier Reitern besetzt. Jetzt liegen seit Mo­

naten eine Kompagnie und eine halbe Batterie, ein Feldlazarett und eine Funken­abteilung hier, und zwei ehemalige Reiter der Schutztruppe, welche hier als Farmer und Kaufleute fitzen, machen infolgedessen gute Geschäfte.

Hauptmanu Kliefoth, der Stationskomman- dant, konnte mir über die Hottentotten nur die be­ruhigende Nachricht geben, das; weit und breit nichts von ihnen zu spüren gewesen ist, dahingegen machte ihm das lange Ausbleiben der Verpflegungskolonnen Sorgen. Darüber konnte ich ihn beruhigen; denn eine Maultierkolonne mit zwanzigtägiger Verpflegung war im Anmarsch und mußte 11ms, eine Wasser­stelle etwa 60 Kilometer nördlich Aminuis, er­reicht haben. Nur noch drei bis vier Tage muß der Proviant gestreckt werden, wie der Kunstausdruck heißt, aber dann ist sicher neue Verpflegung da, und wir können Fettlebe machen worunter der Südwestafrikaner gut leben versteht.

Für alle Fälle hatte ich nach Beendigung der Streife gegen die Bahnlinie Karibib-Wind- huk die 9. Kompagnie und eine halbe 4. Batterie nach Aminuis beordert.

Aminuis, den 18. Oktober 1905.

Die 4. Batterie ist nun hier vereint und die 9. Kompagnie steht im Nossobtal bei Nao- sanabis. Der Posten Awadaob meldet, daß bei Ar ahoab eine Hottentottenwerft gespürt worden ist Leutnant von Saldern reitet nach Naosanabis

Major von der Heyde.