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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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furchtbaren Schnellfeuer erkannten wir den Feind. Feuernd gingen wir auf eine Seiteuschlucht zurück, um auf den Berg zu kommen. August Schulz und ich mußten unsere Reittiere vor den Klippen zurücklassen, denn sie waren nicht hinaufzubringen. Kaum oben, wurden wir mit Feuer empfangen. Hinter uns drängte der Feind. Durch eine andere Schlucht gelangten

wir zu unserer Patrouille, die im Feuer lag. Unteroffizier Jsing winkte, und wir legten uns zu ihm. Nicht lange, da gewahrten wir, daß sich 30 Reiter von rückwärts näherten. Ich brachte freiwillig Meldung an Oberleutnant von Rosenberg, der weiter rechts auf einer Höhe lag.

Auf dem Wege schlugen die Kugeln um mich ein, aber ich kam glücklich an. Mein

armer Leutnant von Linsingen war schon durch

Schuß mit Hufnageln schwer verwundet. Wir lagen den ganzen Tag im Feuer. Abends, um 7,30 Uhr, stürmte der Feind unter dem RufeDütschmann keya Ochsen!" mit großer Übermacht gegen uns vor. Wir gaben uns fast verloren, aber durch unsere Energie wurden die Schwarzen zurückgewiesen.

Der Angriff wiederholte sich noch dreimal, und

unser Oberleutnant von Rosenberg bekam noch einen Schuß durch die Hand; auch war unsere Munition ver­braucht. Der Oberleutnant sagte:Wenn sie jetzt noch einen Sturmangriff machen, gehen wir mit aufgepflanztem Seitengewehr vor!" Aber sie kamen nicht wieder. Um 10,30 Uhr war das Gefecht zu Ende. Das war ein schwerer Tag, an welchem ich mit noch einigen Kame­raden das Militärehrenzeichen erwarb. Auch die Friedrich- August-Medaille habe ich erhalten. Ich war noch an den Karrasbergen, machte mit meiner Kolonne eine Pad nach Maltahöhe, wurde aber später krank und lag im Lazarett in Karibib. Am 4. April 1906 wurde ich nach Deutschland entlassen.

Otto Sommer,

ehem. Gefreiter der Kaiserl. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika.

* H

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Durch unerforschtes Gebiet.

i.

Ein Sandfeldmarsch.

Als gegen Ende April im Jahre 1904 die Hereros das Buschland zwischen Owiumbo und Owikokorero verließen und sich langsam auf den Waterberg zu zogen, hängte sich die Abteilung von Estorff ihnen an und folgte vorsichtig, gleichzeitig bestrebt, auf ihre östliche Flanke zu gelangen. Seit Ende Mai stand sie bei Okosondusu, im westlichen Teile des Sandfeldes. Von dort sollte sie nördlich an den Großen Omuramba rücken, um in der gegen den Water­berg geplanten konzentrischen Operation zu verhüten, daß die Hereros den Omuramba ab­wärts entwichen, wenn der Druck der von Süden und Westen sich heranschiebenden Glieder wirksam wurde.

MM

Gefreiter Otto Sommer.