363
Landschaft bei Windhuk.
MLM
Wenn man den weißen Fleck der Karte betrachtet, sieht man der Aufgabe nichts Besonderes an; damals hatte sie aber einiges auszuweisen. Niemand in der Abteilung kannte die Gegend genauer; die Karte war nicht zuverlässig. Einwohner, die der Gegend kundig gewesen wären, waren nicht da, und Wege gab es nicht. Wasser war auf der mindestens 50 bis 60 Kilometer betragenden Strecke nicht zu erwarten. Die Hauptmasse des Feindes war am Omuramba, in nordwestlicher Richtung, gemeldet, möglich also, daß er auch weiter nach Norden Wasserstellen besetzt hielt oder Kräfte dorthin schob, wenn er unseren Anmarsch gewahr wurde. Dann mußte nian nach einem Tagemarsch in der grellen Sonne um eine Wasserstelle im dichten Omuramba- busch kämpfen. Die Abteilung war klein: drei Kompagnien, vier Geschütze, vier Maschinengewehre, eine Abteilung Rehobother Bastards. Eine Kompagnie hieß nicht viel; mehr als 70 bis 80 Weiße konnte sie nicht ins Gefecht bringen. Der Kräftezustand der Pferde war mangelhaft, seit Wochen hatten sie nur das trockene Gras. Die Zugochsen waren ermüdet.
Patrouillen gingen in der beabsichtigten Marschrichtung vor, waren aber nicht bis zum Omuramba selbst gekommen. Einen Tag vor der Abteilung ging eine Kolonne von fünf bis sechs Wagen, mit Wasser beladen, ab. Als Wasserbehälter mußten Tränktröge aus Segeltuch, Proviantkisten mit Blecheinsätzen und leinene Futterbeutel, in Kisten nebeneinandergestellt und so abgesteift, herhalten.
Am 22. Juni nachmittags trat die Abteilung den Marsch in nördlicher Richtung an in der bestimmten Erwartung, am 23. Juni früh den Omuramba zu erreichen und dort Wasser zu finden. Nur das Nötigste wurde an Bagage mitgenommen. Um 7 Uhr abends erreichte sie die vorausgesandteu Wasserwagen, nach etwa 25 Kilometer Marsch. Pferde und Maultiere erhielten etwa einen Futterbeutel voll Wasser, Feldflaschen und Wassersäcke
47 *