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der Leute wurden nachgefüllt. Um 9,30 Uhr ging es weiter, ein Ochsenwagen mit Wasser folgte, die andern gingen nach Okosondusu zurück. Von 12,30 Uhr nachts bis 5,50 Uhr morgens Rast. Mit dem anbrechenden Tag weiter in nordöstlicher Richtung, immer über Sand, streckenweise durch mehr oder weniger lichten Busch. Der Sand war für die Kolonne das größte Hindernis. Zwar trug seine Decke die Pferde, aber die Räder der Geschütze und Fahrzeuge sanken fußtief ein, und nur langsam und mit den größten Anstrengungen ging es vorwärts. Der aufgewirbelte Staub war so dicht, daß man trotz des Mondscheines fast nichts sehen konnte; kein Windzug machte ihn erträglicher, und die Abteilung ritt wie in einer Nebelwolke. Einen derartigen Staub hatte noch niemand erlebt. Gegen 9 Uhr sollte nach Meinung eines Eingebornen, der mit einer der Patrouillen auf Erkundung gewesen war, der Omuramba nahe sein. (Der Offizier, der sie geführt hatte, war nicht mehr bei der Abteilung.) Nichts deutete aber auf den Omuramba. Ringsum einförmige Fläche, bedeckt mit dem niederen blaugrünen oder braunroten Gras des Sandfelds und mit einzelnen Büschen oder Bäumen. Vom blauen Himmel begann die Sonne zu brennen. Die Abteilung stellt den Marsch ein, sattelt ab, spannt aus und bringt die Tiere auf die Weide; Patrouillen sollen erst Klarheit bringen, in welcher Richtung der Marsch fortzusetzen ist. Ein Teil der Munition der Artillerie und der Maschinengewehre wird einstweilen vergraben, damit die Fahrzeuge leichter, die Zugtiere nicht schlapp werden. Von Zeit zu Zeit späht ein Mann von einem der Termitenhügel nach den abgegangenen Patrouillen aus, sonst legt sich die träge Ruhe der Mittagshitze über das Lager. Auch die Tiere stehen ruhig und fressen nicht mehr, die Köpfe zusammensteckend, wo ein Baum seinen dürftigen Schatten wirft. Sie haben Durst.
II
Wasser gefunden.
Gegen 4 Uhr entsteht wieder Leben: Leutnant von Massow ist zurückgekommen, er hat einen Flußlauf getroffen. Wir brechen auf. Um 10,30 Uhr abends ist eine kleine Bley erreicht, die noch wenig lehmiges Wasser hält; bei ihr wird genächtigt. Die Pferde werden abgesattelt, die Maultiere ausgespannt und zum Tränken herangeführt. Mittlerweile hat aber der Führer der Wagen die Ochsen von den Jochen lösen lassen. Die haben das Wasser schon in der Nase und sind, zum Teil den dritten Tag durstend, von den Eingebornen nicht mehr zu halten. Wie wild rennen sie in die flache Pfütze und rühren sie zu einem dicken Lehmbrei auf; mit dem Tränken ist es vorbei. Schimpfen und Ärger machen das Wasser nicht wieder klar, also zur Ruhe. Wer nicht aus Wache muß, legt sich schlafen, den Kopf auf den Sattel, den Woilach über den Kopf gezogen, damit die kalte, streichende Nachtluft weniger zu spüren ist. Feuer anzuzünden hatte ich verboten, da diese uns leicht dem möglicherweise nahen Feinde verraten hätten. Wer auf Wache ist, mag die Pracht des glitzernden Sternenhimmels genießen!
Mit dem anbrechenden Tag sinkt der Schleier von der Parklaudschaft des Großen Omuramba. Hohe Dornbäume säumen das ganze flache, breite, mit hohem, gelbem Gras bestandene Flußbett, in dem wir nun nordwärts ziehen auf eine in der Zwischenzeit ausgekundschaftete Wasserstelle zu. Gegen 9 Uhr ist sie erreicht, vier oder fünf große, drei bis vier Meter tiefe Löcher in der Mitte des Bettes, die bis aus weiteres den Wasserbedarf zu decken versprechen; ein mitgeführter gefangener Herero nennt sie Osomba-Karupuka. Die Aufklärung der Umgebung trifft auf keinen Feind; damit läßt die Spannung der Lage nach. Gegen spätere Bedrohung soll uns eine entsprechende Einrichtung des Lagers schützen, die ungesäumt begonnen wird.