Dokument 
Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
Entstehung
Seite
372
Einzelbild herunterladen

372

nicht." (Joh. 14, 27) und ein Führer, der schon manchen heißen Kampf bestanden hatte, äußerte hernach in der Stille:Wie oft habe ich dies Wort vor dem Vormarsch für mich gelesen!" Die Schriftstelle für den anderen Gottesdienst unmittelbar vor dem Aufbrnch wies auf die letzte Zurichtung zum Kampfe hin:Zuletzt, meine Brüder, seid stark in dem Herrn .... ergreifet den Schild des Glaubens, . . . nehmet den Helm des Heils und das Schwert des Geistes!" (Ephes. 6, 10. 16. 17).

Wenige Stunden darauf begann der nächtliche Vormarsch. --"

Über den Kommandeur, Oberst Deimling, sagt der Autor:

-Der Oberst rief mich in die Nähe des Biwakplatzes, wo ich schweigend Zeuge

der Erwägungen und Befehle sein durfte, die für die Möglichkeiten solcher Nacht schnell und klar zu durchdenken waren. Staunend ward man inne, welcher Spannkraft des Geistes wie des Körpers, welcher Geistes- und Charakterkräfte der Truppenführer bedarf. Schon während des Gefechtes hatte der Truppe, wie man vielfach freudig rühmen hörte, die ruhige Überlegenheit der Führung das Bewußtsein der Sicherheit und die Gewißheit des Erfolges gegeben.-"

* *

*

Interessant sind die Mitteilungen über Hendrik Witboois Heim in Rietmond am 5. Dezember 1904 unmittelbar nach der Besetzung durch Oberst Deimling:

-Der Kapitän, schon ein Siebziger, hatte sein schlichtes, aber kühles und prak­

tisches Lehmhaus beibehalten. Vor dessen Türe sitzend, blickte er auf sein Rietmond mit allen Pontoks, mit der reichhaltigen Wasserstelle und mit allen Herden, die sich hier zur Tränke drängten. Talabwärts reichte sein Blick weit über Mariental hinaus.

Das Häuptlingshaus war ein niedriger Lehmbau mit drei Eingängen. Es ähnelte den besseren Bastardhäusern in Rehoboth. Die beiden Haupttüren führten jede in zwei zusammen­hängende, kühle Räume. In eiligster Flucht müssen diese verlassen sein. Nur das Allernot- wendigste ist schnell für die Flucht herausgerissen worden, so daß eine wüste Unordnung auf den Tischen zurückgeblieben war. Dort lagen in krausem Wirrwarr Meldungen und Briefe der Unterkapitäne über den Anmarsch unserer Truppen, über unsere Patrouillen und deren Verluste, daneben Gewehre, Patronen, Kugelzangen, sogar Browning-Patronen, Spiegel, Zigarrenspitzen, Verbandwatte, eine Taschenuhr, ferner Bücher, eine holländische Bibel und ein Gesangbuch; dazu Teller, Gläser, neue gelbe Schnürschuhe, Schildkrötengehäuse für allerlei Salben u. a. Etwas Backpulver, Weinessig und leider nur wenige Pfund Hafer waren will­kommene Funde.

Aus seinem Lehnstuhle an der Wand scheint sich Hendrik erst eben erhoben zuhaben; die Unterlage der weichen Felle ist halb zu Boden geglitten. Seitwärts hängt ein kleiner Wandschrank. Aus dem Tische steht eine Schüssel mit Vorbereitungen zurKost".

Die Wände sind schwärzlich grau und haben spärlichen Schmuck. Den Wandspruch mit den beiden Engeln der Sixtinischen Madonna und der deutschen AufschriftIch und mein Haus wollen dem Herrn dienen" hat wohl der Missionar geschenkt, wenn er nicht aus dein Hause des Ermordeten hierhergebracht worden ist. Auch ein Bild der deutschen Kaiserfamilie finden wir hier, vielleicht von Hauptmann von Burgsdorff, dem ebenfalls Ermordeten, ge­schenkt; dazu eine Photographie (Hendrik nebst Samuel Jsaak mit Gouverneur Leutwein auf dessen Veranda in Windhuk), eine Ansichtspostkarte, die Hendrik mit seinem Stäbe zu Pferde abbildet, und ein winziges, verkümmertes Bildchen eines greisen Häuptlings. Mehr Kunstbedürfnisse hat der begabte Barbar nicht empfunden.