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tot. Verwundet wurden drei Reiter: Wieprzkowski, Fritz und ich. — Die Verluste des Feindes konnten nicht genau festgestellt werden, da er die Toten mitten im Gefecht begräbt und Verwundete mit fortnimmt.
Nach dem Gefecht rief mich mein Zugführer, Leutnant Delius, und schenkte mir seine letzte Zigarre. Es war meine erste, seit ich vom Dampfer „Eduard Woermann" herunter war; darum die große Freude.
Nachmittags 3 Uhr ritten wir weiter nach Süden auf Etappe Bethanien zu, wo die Verwundeten ins Feldlazarett kamen.
Infolge dieses Gefechts verlieh mir Seine Majestät König Friedrich August von Sachsen die Friedrich-August-Medaille für Kriegsverdienste.
Wilhelm Hauptmann,
ehern. Reiter der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika.
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Kreuz und Schwert.
Aus einer ganzen Reihe von Reiterbeiträgen zu diesem Ernmerungsbuche tritt dem Leser in schöner und erhebender Weise die Erkenntnis entgegen, daß unsern deutschen Soldaten gerade in den Zeiten der höchsten Gefahr, in den Augenblicken, in denen das Schwert entscheiden sollte oder entschieden hatte, auch das Wahrzeichen des Christentums vorschwebte. Die Bitte zum Allmächtigen um den Sieg, der Dank für den gnädigen Schutz kamen über so manche braven Reiterslippen — auch in diesen Erinnerungsblättern, und immer wieder tritt der Reiterdank gegen die Männer hervor, die vor der Schlacht, im Biwak, am Schmerzenslager der Verwundeten und auf der Leidensbahn der Durststrecken durch Wort und Vorbild zum Gottvertrauen anhielten, im Troste Linderung brachten — die Feldgeistlichen. Und daß die Vertreter des Glaubens in diesem Kriege denselben Gefahren ausgesetzt waren wie die Reiter, daß sie sich mit der Waffe in der Hand der grimmigen Feinde erwehren mußten und selbst im heißesten Kampfe unter den Schützen, bei den Verbandplätzen und Sammelstellen ihres Amtes walteten, das brachte sie der kämpfenden Truppe näher als wohl je in einem europäischen Kriege und verschaffte ihnen die Liebe der Mannschaften.
Eine besondere Liebe und Dankbarkeit erwarb sich aber der Divisionspfarrer Max Schmidt,
und in einer Reihe von Beiträgen wird er mit Dankbarkeit genannt (Bericht des Büchsenmachers Alfred Schubert u. a.).
Der Divisionspfarrer Max Schmidt, dem auch schon im ostasiatischen Feldzuge dieSeel- sorge für die evangelischen Deutschen oblag, der auch diesmal mit hinauszog über den Ozean und, wie seine herrlichen Aufzeichnungen beweisen, stets da war, wo der Kampf entbrannte, hat dem Herausgeber einige kürzere Abschnitte aus seinem Werke „Aus unserem Kriegsleben in Südwestafrika", bei Edwin Runge in Lichterfelde erschienen, gewährt. Ohne Zusammenhang lasse ich einige Bilder aus seiner vielseitigen Tätigkeit folgen.
In der Beschreibung eines Feldgottesdienstes vor einem Kampfe heißt es:
-Um so ernster war deshalb die Stimmung, als am 26. September in
Okatawbaka für die Vorhut und am 27. September 1904 für die Hauptmasse kurze Feldgottesdienste unmittelbar vor dem Vormärsche abgehalten wurden. Das Gotteswort für den ersten mahnte an den Frieden, der selbst in den Stürmen der Schlacht ein getrostes Herz sichert: „Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch .... Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich
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