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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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Im Nebenraum war sein kühles Schlafgemach. Auf dem niedrigen Bettrahmen, der mit einem Riemengeflecht überspannt war, lagen die beliebtenKompersen", Decken und Schakal­felle, auch aus Ziegenfellstücken in bunter Mosaik zusammengenähte Decken, wie sie die Ein­geborenen fertigen."

Aber auch in den Kampf bei Groß-Nabas wohl einen der schwersten des Krieges in das dreitägige Ringen der Abteilung Meister gegen beide schlimmen Feinde, die Hottentotten und den Durst, wollen wir den treuen Seelsorger begleiten:

-Das Gesträuch wird dichter, die Hochfläche faltiger, durch beides die Über­

sicht in bedrohlichem Maße verdeckt.

Neben den Geschützen des Haupttrupps reitend, höre ich auf meine halblaute Frage: Wieviel Schuß haben wir noch?" von Leutnant Overbeck, dem Führer der Batterie, die be­sorgte Antwort:Nur 150!"

Mit kaltblütiger Freundlichkeit hatte er eben vorher seinen Leuten ein Paar ermunternde Worte zugerufen und dabei gescherzt:

Artilleristen werden in der Schlacht Wie andere Menschen umgebracht.

Zum Abteilungsstabe vorgeritten, werde ich von Major Meisters neuem Adjutanten angeredet: Passen Sie auf, in kurzer Zeit liegen wir in schwerstem Gefechte!"

Schon nach wenigen Minuten zischen uns die Kugeln um die Ohren. Im Nu ist alles abgesessen, und kurze, scharfe Befehle setzen die Truppe an.

Rechts von der zuerst ins Gefecht getretenen vierten Kompagnie wird die siebente vor­geschickt, links die fünfte. Die Geschütze kämpfen alsbald zwischen den Kompagnien auf beiden Flügeln. Die Wagen und Karren werden nahe herangezogen und zu einer Wagenburg zu­sammengefahren.

Der Gegner weicht eine Strecke zurück, liegt aber dann erst in seiner besten Stellung, in einer Felsenstellung mit klippigen Schluchten und bombensicheren Laufgräben, die von der Natur in den gewachsenen Fels geschnitten sindZ.

Diese Felsenburg sollte die kleine deutsche Abteilung einer, wie sich herausstellte, fünf- bis sechsfachen Übermacht entreißen.-"

* H

Als eine Überflügelung durch den Feind die Wagenburg auch Ver­bandplatz und Sammelstelle bedrohte, ruft der mit einem Zuge schützende Leutnant von Petersdorff möglichst viele Reiterin die Schützenlinie; denn immer drohender wird die Gefahr:

Ein Mann hält zehn Pferde!" schallt es durch die in flacher Bodensenkung auf­gefahrenen Fahrzeuge, bei denen die Pferde in einiger Deckung stehen. Bald werden die Rufe dringlicher:Ein Mann hält zwanzig Pferde! Vorwärts! Es wird brenzlig; ihr werdet gleich angegriffen!"

Der Leutnant hat diese Gefahr abgewehrt; der Feind wurde sogar durch kühnen An­sturm mit aufgepflanztem Seitengewehr an die Düne zurückgeworfen.

Wieder verrinnt Stunde auf Stunde; und eine Gefechtsstunde dauert lange.

Auf dem Verbandplätze bei der Wagenburg liegen schon eine Reihe Verwundeter und einige zurückgebrachte Tote. Die Leichtverwundeten werden schnell verbunden und kriechen zur nahen Schützenlinie zurück.

i) Vgl. Gefechtsskizze S. 7S.