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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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Major Freiherr vonNauendorff muß schwer verletzt sein. Er hat nach seiner Ver» wundung mit dem gleichfalls verwundeten Sergeanten Wehinger eine Zeitlang hinter einem Busche gelegen. Schon hier trug er seinem treuen Kampf- und Leidensgefährten die hochherzige Bestellung auf:Wenn Sie heimkommen, so versichern Sie meinem Bruder (einem heimischen Stabsoffizier): ,Es ist doch wahr; es ist schön, fürs Vaterland zu sterben!'" Eine Weile später zum nahen Verbandplätze zurückgeschafft, ruft mich der Major an sein Schmerzenslager im Schatten eines Ochsenwagens und bestellt für alle Fälle Grüße an die Seinen:Bringen Sie meiner Mutter meine letzten Grüße und sagen Sie ihr, daß ich im Glauben an meinen Erlöser sterbe!"

Dann eine Stunde später:

Major Freiherr von Nauendorff leidet schwer. Er bittet um Morphium. Daun forscht er wieder nach dem Gefechte, nach Deimlings Herannahen. Wer ihn doch mit Wasser laben könnte! Er ruft mit ermattender Stimme:Tausend Mark für einen Schluck Wasser!" nach einer Weile von neuem:Zehntausend Mark für einen Schluck Wasser!" Still kriecht auf diesen Ruf Sergeant Wehinger von der 5. Batterie, selber am Fuß verwundet, zu seinem seufzenden Major und bietet ihm seinen Rotwein, den er - der Reiche noch besaß! Der Major sieht ihn dankbar an, aber wehrt mit auflodernder Entschlossenheit ab:Lieber Sergeant, Sie brauchen das nötiger als ich, Sie müssen wohl noch zu Ihrem Geschütz; mit nur ist's doch bald aus!" Es war der letzte Sieg, den der Sterbende errang. Die Schmerzen betäubten hernach seine Sinne, und einige Stunden später war er still entschlafen.

Und nach ferneren schweren Stunden:

Doch plötzlich eine neue, große Gefahr. Der Feind scheint zur Vernichtung der er­schöpften Abteilung vorzubrechen. Auch die Verwundeten, deren Zahl sich stündlich vergrößert, merken es und fordern ihre Waffen zur äußersten Ver­teidigung. Ein durch die Brust geschossener Leutnant hat schon seine Browning-Pistole in der Faust.--"

* -t-

Ergreifend wirkt die Schilderung, in der der dritte Tag des furchtbaren Kampfes schließt:

Am Morgen des 4. Januar, unseres dritten Ge­fechtstages, setzte das Feuer schwächer ein. Von der hohen Düne zu unserer Linken fiel kein Schuß mehr. Es ist auch flußabwärts ein Trupp in scheinbarem Abzüge gesehen worden. Zieht der Feind auf den gestrigen Kanonen­donner ab, oder hat der alte Schakal Hendrik nur eine Kriegslist ersonnen?

Nach einiger Zeit steht bei der Leitung jedoch fest, daß große Hausen der Feinde abgezogen sind. Die Wasser­stelle ist trotzdem noch so stark besetzt geblieben, daß unsere hungernde und durstende Truppe neuen Qualen, vielleicht trotz alledem ihrem Verderben entgegensieht. Der Komman­deur berät mit einigen Offizieren, ob der Zustand in ihren Reihen das Wagnis eines Sturmes noch irgend gestatte.

Die Truppe soll möglichst mit Wasser versorgt werden und ihre letzte Kraft zum Sturmangriff sammeln.

Es muß gewagt werden! Aber gefährlich genug sieht's bei der Abteilung aus."

-i- H

* Major Freiherr von Nauendorff.