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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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-Ein von seinem Zuge herbeigerufener Leutnant der Batterie stürmt in hoch­

gradiger Raserei heran. Er war einige Tage vor unserem Aufbruch mit besonderem Auftrag von Kalkfontein nach Kub gewesen, hatte unterwegs schon zwei Dursttage überstanden und seine Batterie darauf mitten im Gefecht in höchst kritischer Lage wiedergefunden. Neuer Durst und neue Anspannung erschöpften vollends seine Kraft. Am ganzen Leibe zitternd schreit er: Was kann ich dafür, daß ich noch lebe?" Dann wehrt er sich gegen einen Vorwurf, den niemand gegen ihn erhoben hatte:Ich bin nicht feige!" Mit Mühe zwingen wir ihn an einem schattigen Platze bei einem der Verbandwagen nieder. Bebend springt er wieder auf: Ich muß zu meinen Geschützen!" Nur schwer ließ er sich besänftigen. In seinen erregten Rufen hatte er aber ausgesprochen, was wir alle empfanden:Was kann ich dafür, daß ich noch lebe?""

Divisionspfarrer Lie. M. Schmidt.

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-- Bald darauf wird der Führer der 7. Kompagnie vom rechten Flügel

von zwei Mann zurückgetragen. Wehe durchzuckt's uns, nun ist auch dieser Tapfere dahin! Gottlob, es ist nur eine tiefe Erschöpfung. Im Schatten eines, Wagens hat er sich kaum etwas erholt, als es ihn zu seiner Kompagnie zurücktreibt. Nur Major Meisters Befehl hält ihn noch eine Weile fest:Ich befehle Ihnen, hierznbleiben; ich habe mit Ihnen zu reden!" Hernach kann ihm der Arzt noch einen Schluck des schon längst zur Neige gehenden Rotweins reichen.Geben Sie her, vielleicht ist's der letzte Schluck auf Erden!" damit

eilt er laufend, kriechend auf seinen rechten Flügel zurück.-"

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-Eine herzstärkende Freude war's iu solchen Augenblicken, mit welcher Treue

die Soldaten bei diesem, wie bei den anderen Truppenteilen an ihrem Führer hingen. Die beiden Träger des eben erwähnten Kompagnieführers wollten sich weder von dem Arzt noch