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sonst jemand von der Seite des Erschöpften entfernen lassen. „Unser lieber Oberleutnant!" — schreit der eine, ein Sergeant, mit fliegendem Atem — „wir müssen wissen, wie es unserem Oberleutnant geht!" Dann ergriff ihn selber eine rasende Erregung. Er will Wasser für seinen Oberleutnant und alle Kameraden herbeizwiugen. „Wer kommt mit, die Wasserstelle zu stürmen? Ob sie uns dabei totschießen, oder ob wir hier verdursten, ist ja doch gleich. Sonst stürme ich allein!" Mit solchen Rufen rast er davon, und es kostet festes Zugreifen, ihn zu retten.
Die Ärzte äußerten mir leise ihre Besorgnis, solche Falle von Raserei könnten zunehmen. Die Hitzschläge vermehrten sich ebenfalls. Darum sollte erst nach einiger Ruhe der Sturm beginnen.-"
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„-Es war eine bange Stunde, die wir pochenden und doch gehobenen Herzens
durchlebten. Die beiden Geschütze, für die noch Bedienung und Munition übrig war, erhoben wieder ihre langvermißte eherne Stimme und halfen mit einigen Treffern zum Gelingen des Sturmangriffs. Die anfangs zäh und heftig feuernden Feinde flohen schreiend vor den blitzenden Bajonetten davon, und Geschütze wie Sturmkolonnen stießen erfolgreich nach.
Die Wasserstelle Groß-Nabas war gestürmt, die furchtbare Felsenfeste des Feindes in unseren Händen! — — —"
Und wie viele andere Tage sollten noch kommen, die dem Seelsorger Gelegenheit boten, sich als treuer Tröster derer zu bewähren, die ihm vertrauten!
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Mit dem Prinzen Joachim Albrecht von Preuszen in den Karrasbergen.
Anfang Januar 1907 unternahm Seine Königliche Hoheit Prinz Joachim Albrecht von Preußen von Keetmannshoop aus einen Ritt durch die Karrasberge. Außer seinem Adjutanten, Hauptmann Freiherrn von Brandenstein, und dem Stabsarzt Dr. Gsronne waren Major Maercker und ich zu seiner Begleitung kommandiert.
In Narudas-Süd, dem alten Raubuest Morengas, welches im März 1905 aufgehoben wurde — leider ohne den schlauen Fuchs selbst zu erwischen —, hatten wir einen Ruhetag eingelegt.
Tann ging es nach Zandmund in nördlicher Richtung weiter. Bald hinter dieser Wasserstelle erreichte uns ein Befehl des Hauptquartiers, der die Mitteilung enthielt, daß in den Karrasbergen Hottentotten gespürt seien; wir sollten auf der Hut sein.
Von Beginn des Rittes an war des Prinzen sehnlichster Wunsch gewesen, mit unseren Gegnern zusammenzustoßen. Jetzt war Aussicht auf Erfüllung dieses Wunsches vorhanden, denn eben befanden wir uns in der Nähe eines ihrer beliebten Wechsel an der Ostseite der Karrasberge.
Wie immer, marschierten wir mit den nötigen Vorsichtsmaßregeln. Ein Teil der Bedeckung sicherte nach vorn, ein Teil nach hinten, und Seiteupatrouillen deckten, wo es das Gelände zuließ, die Flanken.
„Sollte es uns heute nicht glücken, eine frische Spur zu entdecken?" Diese wiederholte Frage des Prinzen, der die Pad mit größter Aufmerksamkeit beobachtete, kennzeichnete so recht seine Ungeduld, an den Feind zu kommen. Immer unübersichtlicher wurde das Gelände
Deutsche Reiter in Südwest. 49