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zu beiden Seiten des Weges, und nur selten tauchte rechts oder links der Hut eines Reiters der Seitenpatrouillen auf. Friedlichste Ruhe lag auf den Bergen und Schluchten, kein Hottentotte wollte unseren Pfad kreuzen. Nur Milliouenschwärme von Heuschrecken brausten stundenlang, einem heftigen Schneetreiben gleich, an uns vorbei und bedeckten weithin den Boden, den spärlichen Blättchen und dem kostbaren Weidegrase Vernichtung bringend. Sonst stritten sich nur die Eingeborenen mit mancherlei Raubvogeln und dem Pavian um den leckeren Braten. Heute morgen beim Frühstück aber zeigte der Ausruf eines unserer Herren: „Donnerwetter, schmecken die Dinger prachtvoll!" — daß auch Europäer diesen Geschmack zu würdigen wissen. Der Herr war allerdings schon längere Zeit im Lande.
Immer weiter geht es, schroffes Felsgewirr ist Passiert, und ein allmählich breiter werdendes Tal nimmt uns auf.
Da plötzlich fällt ein Schuß in unserer linken Flanke!
Wie ein Ruck fährt es durch die kleine Reiterschar, und mit der Hand am Gewehr
blickt alles in gespanntester Aufmerksamkeit dorthin. Eben will Major M aercker zwei Reiter entsenden, als ein zweiter Schuß herüberschallt, dem, anscheinend schon näher, kurz hintereinander drei weitere folgen.
„Da ist etwas los!" ruft der Prinz und jagt in vollem Galopp querfeldein über Klippen und Dornbüsche, direkt auf den Punkt zu, wo die Schüsse fielen. Kaum vermögen sich die ihn begleitenden Herren
an seiner Seite zu halten, und ungehört verhallen die dringenden Vorstellungen: Seine Königliche Hoheit möge sich nicht der Gefahr aussetzen, aus sicherem Versteck angegriffen zu werden!
Mit verdutzten Gesichtern erwartet die linke Seitenpatrouille die Attacke der von Major Maercker persönlich so schnell als möglich herangeführten Bedeckuugsabteilung. Auf eine derartige Unterstützung hatte sie nicht gerechnet; längst war das Gefecht beendet, und der Gegner in wilder Flucht davongeeilt. „Wir haben ihn nicht getroffen!" lautete die Meldung, „hier läuft die Spur — des Bockes!"
Jetzt war es an uns, verdutzt zu sein, und mit einer nicht allzu liebevollen Kritik endete das „Beinahegefecht" bei Zandmund.
Die unerwartete Aufklärung brachte dem Prinzen wieder eine Enttäuschung, uns in gewisser Weise eine Erleichterung; denn darüber waren wir uns klar: Hätten Hottentotten uns gegenübergestanden, der Prinz hätte leicht sein tollkühnes Drauflosreiten mit dem Leben bezahlen können.
Die Nacht verbrachten wir auf einem wirklichen Gefechtsfelde, dort, wo Hauptmann Kirchner an der Spitze seiner stürmenden Abteilung und Leutnant Edzard Fürbrinaer am
Hauvtmann Freiherr von Brandenstein, Prinz Joachim Albrecht von Preutzen und Stabsarzt vr. Gerönne auf Kirchners Geiechtsfeld.