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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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niedrigen Häuser auf dem flachen gelbsandigen Strande sichtbar wurden. Weißschäumende wütende Brandung tobte an der Küste. Nach einigen Tagen durch daS Warten aufs höchste ge­spannt, wurden wir bei hohem Seegang durch einen Leichter gelandet. So wenig war mein Leben noch nicht Wert, als bei dieser Landung; denn der sogenannte Hafen war zu der Zeit schon fast völlig unbrauchbar, und bei dem Pech, welches wir durch Hineinfallen des Schlepptaues ins Meer hatten, so daß wir eine Zeitlang hilflos in der hohen Dünung immer näher auf die wild­umtosten Klippen trieben, hätte es, zumal es inzwischen stockdunkel geworden, leicht zu einer Katastrophe kommen können, und 50 blühende Menschenleben wären umsonst geopfert. Als ich endlich auf der Mole stand, kam mir sofort der Gedanke, wie es nur möglich sei, daß das mächtige Deutsche Reich so eine unzulängliche Hafenanlage haben kann für ein so großes Land, welches so sehr auf den Hafen angewiesen ist. Es war das erstemal, daß ich es selbst verspüren mußte, lvie wenig man sich bisher um die Kolonie gekümmert hatte; es war nicht das letztemal.

11 .

Abmarsch von Swakopmund.

In aller Frühe des nächsten Morgens spazierte ich durch Swakopmund nach dem Swakop, um möglichst viel vom Lande kennen zu lernen. Dort entdeckte ich auch eine Vegetation, die ich vom Schiff aus absolut nicht hatte erblicken können. Mit welcher Spannung und Wißbegierde man dieses Land betritt, kann ich nicht schildern, sie sind zu groß. Sogar die niedrigen Brack- und Dornbüsche, welche im Swakop standen, erfreuten das Auge. Nach Ordnung unserer Signalapparate usw. fuhren wir mehrere Tage darauf bei schönem Sonnen­schein mit der Kleinbahn in offenen Wagen ins Innere. Je tiefer man ins Land kommt, desto interessanter wird die Landschaft, und erwartungsvoll hielt ich nach dem ersten Pflanzen- wuchs Umschau. Schon in Nonidas ist das Swakoptal dicht mit Büschen bewachsen, und staunend sah ich die mir fremdartigen Pflanzen an. Außerhalb des Swakoptals konnte ich auch nicht eine Spur von Vegetation erblicken, also war es doch richtig mit der 80 bis 100 Kilometer breiten Wüste am Meer entlang. Weit im Osten stieg während der Fahrt eine wildgezackte blaue Gebirgswand immer höher empor; ein wundervoller Anblick! Durch die klare, durchsichtige Luft, im hellsten Glanz der afrikanischen Sonne, rückten wir diesen Bergen näher. Nachmittags sah ich eigentümliche auf dem Sande liegende kürbisähnliche Früchte und immer dichter stehenden grauen blattlosen Dornbusch. Aus der gewelltm Sand­ebene wurde jetzt eine immer wilder zerklüftete Gebirgslandschaft, überhängende, spitzgezackte Felsen wechselten mit tief ausgewaschenen, engen Talspalten ab. Es war das Khangebirge. Wir sausten in einer solchen Talspalte in den unglaublichsten Windungen dem Khanrivier entgegen. Das Tal wurde allmählich etwas weiter, und wie freute ich mich, als ich die ersten im schönsten Grün prangenden Bäume sah! Die Baumgruppeu wurden, je mehr wir uns dem Khan näherten, üppiger, und im schönsten Grün prangten noch verschiedene Büsche. Auch, wenn man genauer hinsah, konnte man ab und zu ein Grasbüschel in den Felsenritzen entdecken.

III.

Weitermarsch über Owiumbo.

Zunächst führte der Weg durch bergiges Gelände mit hohem Busch, teilweise Wald. Nach Owiumbo zu wurde das Gelände flach, nur einzelne Berge ragten aus der Ebene hervor. An den Soldatengräbern, welche unter hohen Akazien in Owiumbo waren, ergriff mich ein mit Wehmut und Rache gemischtes Gefühl. Die Landschaft macht mit den dicht beieinander stehenden breitästigen, riesenhaften Akazien, die lebhaft an die heimatlichen Eichen erinnern, einen