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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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unddieWirt- schaftsge- büude stan­den öde und verwüstet da.

Hier machte sich auch schon der Proviant­mangel fühl­barer gel­tend, und die Halbbatterie, welche in Sturmfeld lag, schlach­tete schon ihre Zugochsen.

Der letzte Tagemarsch

nach Epukiro führte im Epukirorivier entlang. An beiden Seiten des Riviers zieht

sich eine hohe Galeriewaldung mit sehr starkem Baumwuchs hin. Die Wasserstelle Epu­

kiro ist ein Sumpf, das Wasser wird aber daraus so abgeleitet, daß man eine ansehnliche Strecke sehr guten Ackers erzielt hat. Die hier angesiedelten Betschuanen müssen sehr fleißig gewesen sein, man konnte es noch an den zerstörten Maispflanzungen sehen. Es

sollte in dieser Gegend so stark regnen, daß man sogar ohne künstliche Bewässerung Mais

pflanzen kann. Unsere Abteilung erhielt den Auftrag, eine Signallinie von Epukiro nach Gobabis zu bauen. Abends wurde mit 20 Mann der 4. Kompagnie 2. Feld- RegimentS, welche alle zu Fuß gingen, abmarschiert, da schon lange alle Pferde der Kom­pagnie an Krankheiten und verkehrter Behandlung eingegangen waren; denn die meisten Leute hier, zumal sie uicht unter Aufsicht Pferdeknndiger standen, wußten gar nicht, wie man ein Pferd Pflegt. Ich bemerkte, daß bei den meisten Kompagnien ehemalige Jnfanterieunter- ofsiziere Feldwebel waren, daher konnte es nicht ausbleiben, daß viele Fehler in der Pferde­behandlung gemacht wurden, da ihnen das Verständnis dafür vollständig fehlte. Auch den Leuten sah man es an, daß in den meisten schon der KrankheitSkeim steckte, und wie viele Kame­raden sind an Typhus und Skorbut in Epukiro gestorben! Wir waren nach einigen Tagen mit dem Bau der Signallinie bis Owingi, einer Wasserstelle südlich Epukiro, gekommen. Die Wasserstellen in dieser Gegend haben mir des Baumwuchses und außerordentlich guten Wassers wegen besonders gefallen. Zahlreiches Wild konnte man auf Schritt und Tritt feststellen. Es war auch schon alles von der Hoffnung auf ein baldiges Ende dieses Krieges erfüllt, und deshalb dachte auch ich, daß es nun bald wieder nach dem lieben Deutschland zurückgehen sollte. Es war ein schwerer Irrtum.

Hauptquartier an dem auhersten von ihm erreichten Punkte im Sandseid.

UM

VII.

Landschaftsbilder aus Windhuk, Rehoboth und vorn Fischfluß.

Wie ein Blitz aus heiterm Himmel traf mich die plötzliche Nachricht von dem aus- gebrochenen Aufstande im Süden. Mit frischer Unternehmungslust traten wir den Marsch nach diesem Gebiete an. Nach einigen Wochen wurde Windhuk erreicht. Auf dem letzten Treck

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