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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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Spur. Unterwegs wurden an geeigneten hohen Punkten (Bergen) Signalstationen errichtet und somit Heliographische Verbindung von Keetmannshoop bis Hasuur erreicht. In Hasuur wurde durch einen Farmer, welcher mit Depeschen zum Detachement von Lengerke geritten war, eine in der Nähe des Ostrandes der Ausläufer der Großen Karrasberge liegende Hottentotten­bande gemeldet. In aller Stille wurde das Abreiten einer Abteilung vorbereitet, und nach Ein­bruch der Dunkelheit aufgebrochen. Das Wetter war günstig für einen Überfall; denn es wurde stockdunkel, und ein heftiges Gewitter fing an zu toben. Die Wasserstellen (Farmen) Hana- pan und Arinab wurden vor dem Passieren in Gefechtsbereitschaft abgesucht; denn die Gegend war vollständig unerkundet. Aber nirgends regte es sich, und immer weiter trabten wir in der

von grellen Blitzen unterbrochenen Dunkelheit den phantastisch geformten Bergen zu. Dumpf grollend und krachend ertönte der Donner in den tiefzerklüfteten Bergen. Gegen Morgen bemerkte dieSpitze einen ganz schwachen Feuer­schein. Vorsichtig wurde in einer Senkung haltgemacht, abgesessen und ohne Kommando in breiter Schützenlinie vorgekrochen, von Busch zu Busch, zwischen riesigen Felsblöcken immer näher aus feindliche Lager, welches jetzt bei der Morgendämmerung ab und zu durch die Büsche sichtbar wurde. Alte Jugendträume von wilden Jndianerkämpfen schienen wahr zu werden, aber auch der ganze Ernst der grausamen Wirklichkeit trat mir mit blutigen Leichen und Menschenelend vor Augen. Unsere Schützenlinie hatte in: weiten Halbkreis das feindliche Lager Umklammert, und das zwischen den Hütten stehende Vieh hatte uns schon bemerkt, denn die wachsamen Hunde singen an zu heulen. Wir waren auf ungefähr 30 Schritte heran. Aufs höchste gespannt, erwarteten wir das Zeichen zum Sturm. Durch das Heulen der Hunde ge­weckt, stürzt ein Hottentott schlaftrunken aus einer Hütte, einen wilden Ruf ausstoszend, eilt er auf ein in der Nähe stehendes Pferd, und sich aufschwingend, entflieht er in rasendem Galopp. Gleichzeitig stürzen aus allen Hütten die aufs höchste überraschten Hottentotten. Unser wütendes Schnellfeuer aus nächster Nähe läßt jeden Widerstand aussichtslos erscheinen, und in wilder Flucht sucht sich die ganze Bande auf die nächste Höhe zu retten. Fast in demselben Augenblick erreichten uns von dort auch schon die ersten bleiernen Willkommensgrüße. Im Sturm nahmen wir die Anhöhe. Die feind­lichen Geschosse Pfiffen und surrten brummend in unsere Schar, aber mit dem Widerstand des Feindes war es jetzt vorbei, denn im Nu verschwanden die schlanken gelben Gesellen in Klippen und Strauchgewirr. Einen Posten zurücklassend, trieben wir das Vieh zusammen, gleichzeitig die Toten feststellend. Es wurden fünf gefallene Hottentotten gefunden; 50 Stück Großvieh und etwa 300 Stück Kleinvieh, außerdem sieben Pferde zusammengetrieben.

Karl Frydrychowicz,

Vizewachtmeister der 2. Feldsignalabteilung der Kaiserl. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika.

Vizewachtmeister Karl Frydriichvwicz.

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