390
Gegen die Hereros.
i.
Bei Hamakari.
Am 11. August, nachts 3 Uhr, geht's kriegsmarschmäßig nach Waterberg, leider alles zu Fuß. Kurz nach Tagesanbruch finden wir bereits rückgängige Hererospuren und viele in der Eile zurückgelassene Hausstaudgeräte. In der Ferne hört man das Gebrüll Vvn Viehherden. Die 10. Kompagnie marschiert rechts des Weges, die 11. Kompagnie links, in der Mitte die Maschinengewehr-Abteilung, die Artillerie und die 9. Kompagnie, dahinter das Hauptquartier mit der Funkenabteilung usw. Um 8,40 Uhr, als wir gerade eine Lichtung überschreiten, kommen von links vorwärts kräftige Gewehrsalven, die den aufklärenden Witboois und der 11. Kompagnie gelten, aber glücklicherweise zu hoch gehen.
Dies ist für uns das Signal zu einem heftigen Feuer auf der ganzen Front wie auf den Flanken. Vor uns ist dichter Busch, in den wir uns gleich hineinwerfen. Die 11. Kompagnie stürmt sofort mit aufgepflanztem Seitengewehr die vor ihr liegenden Wasserlöcher, in denen die feuernden Hereros sitzen bleiben und erstochen werden. Beide Kompagnien gehen nun sprungweise vor, zunächst ohne Verluste. Von allen Seiten erhalten wir jetzt Feuer. Die 11. Kompagnie versucht sodann die halblinks liegende, mit Dornen verschanzte Werft zu stürmen, Wobei Hauptmaun Gansser und alle Offiziere fallen! Der rechte Flügelzug der 10. Kompagnie, unter Leutnant Strödel, erstürmt nach zweimaligem Ansetzen schließlich unter Mitwirkung von zwei Geschützen halbrechts eine ebensolche stark besetzte Werft. Der linke Flügel der 11. Kompagnie zog sich inzwischen führerlos im heftigsten, aus nächster Nähe gegebenen Feuer bis hinter die Wasserlöcher zurück. Ich erhalte nun den Befehl,
mit etwa 15 Mann aus der Schützenlinie die 11. Kompagnie zu verstärken, und das Kommando über diese führerlose Abteilung zu übernehmen. Unter Mitwirkung von zwei Maschinengewehren wird nunmehr der linke Flügel wieder vorgebracht, und die Wasserlöcher werden von neuem gestürmt und genommen. Jetzt liegen die Kompagnien halbkreisförmig um die weit ausgedehnten Wasserstellen, von allen Seiten einem wahrhaft mörderischen Feuer ausgesetzt, das unsere Leute aber mit bewundernswerter Ruhe erwidern. Die Artillerie und Maschinengewehre, in die Schützenlinie vorgezogen, beschießen nun den abziehenden Gegner. Mit einem Male werden wir auch ini Rücken angegriffen; wir erhalten jedoch sofort Deckung durch das Hauptquartier und die 9. Kompagnie mit ihren Geschützen. Wir haben, obgleich wir von 8 Uhr vormittags bis zur Dunkelheit im heftigsten Feuer lagen, nicht mehr als durchschnittlich 20 Patronen pro Mann verschossen, man sah eben zu wenig vom Feinde, zeigte sich aber mal ein schwarzer Kopf, so wurde ruhig und gut gezielt, und wohl fast jeder Schuß saß.
Noch in derselben Nacht befestigten wir unsere Stellungen und bauten sie zum Lager aus. Unsere kleine Bagage wurde in die Mitte genommen.
Die Hereros haben starke Verluste gehabt. Am folgenden Tage fanden wir noch etwa 50 Tote, alle gut
Leutnant Schütte.