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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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bekleidet und ausgerüstet, zum Teil sogar mit Gewehr und Patronen versehen. Da bekanntlich die Hereros ihre Toten, wenn irgend möglich, mitnehmen, so ist dies ein Beweis für den über­stürzten Abzug des Feindes. Hinter jedem Hererokrieger liegen im Gefecht fünf bis sechs Kirriträger, die, falls der Krieger schwer verletzt ist, sofort nach seinen: Gewehre greifen, sowie die Toten ausziehen und fortschleppen; dies geschieht mit fabelhafter Geschwindigkeit und gänzlich unsichtbar.

II.

Der Kaffer.

Wasserstelle bei Okateilei, 1. August 1904.

Eine kleine, wenn auch bedeutungslose, so doch gewiß interessante Episode von unserm Marsche hierher: Wir reiten in: Schritt den ganzen Weg zurück. Der eine Witbooi, Johannes, starrt nachdenklich auf den Boden und die dort im Gras kaum sichtbaren Spuren. Plötzlich tuschelt er dem Führer zu:Herr Liutnan, acht! Spur vandag (heute)! Kaffer (Herero)!" Auf die Frage:Wieviel?" antwortet er prompt, mit den Fingern zeigend:Twe." Es ist 6 Uhr; die Sonne steht glutrot hinter den Büschen, diese selbst bereits in schwarzer Finsternis lassend. Die beiden Führer wollen nicht weiter und gestikulieren stumm aber lebhaft. Wir springen von den Pferden und reißen den Karabiner von: Rücken. Der Witbooi:Fir (Feuer, mit dem Finger zeigend) tre!" Erst bei ganz scharfem Zusehen bemerke ich gar nicht w?it ihr Glimmen. Der Führer spreizt die Arme, zwei Mann halten die Pferde, alles andere spritzt zur Schützenlinie auseinander, und nun vor. Wir fingen keinen von den riesengroß erscheinenden Kerlen, kamen auch nicht zum Schuß. Höchstens 20 Schritt von uns sprangen sie in den Busch und wurden auch nicht wieder gesehen. Als wir zu ihren verlassenen Feuern zurückkehrten, fanden wir dort ihren ganzen Hausrat: Messer, Kessel, Felle, Kürbiswasser- flafche, eine Holzschale voll frischer Feldkost und dergleichen vor. Auch Weiberschmuck für die Waden ans Eisenperlen (etwa 30 Pfund schwer und deshalb zum Mitnehme,: nicht geeignet) fand sich vor. Als wir zu den Pferden kamen, war es ganz dunkel. Wir lagen an einer Wasserstelle; das übelriechende Wasser langte kaum, unsere durstigen Pferde zu tränken. Ungefähr 1 Kilometer abseits der Wasserstelle biwakierten wir.

III.

Kugelsicher.

Otjituo, 8. Oktober 1905.

Mittags hatte eine kleine Patrouille mehrere Leute des Häuptlings Timothens im Busch gestellt und nach heftigem Widerstände einen der Kerle ergriffen, während die andern entkamen. Da der Gefangene dauernd widerspenstig blieb und sich dazu noch an einen: unserer Reiter tätlich vergriff, so sollte mit ihm kurzer Prozeß gemacht werden. Drei Mann legten auf kurze Entfernung an, die Gewehre krachten und der Kerl war verschwunden. In demselben Augenblick, als die Schüsse fielen, war der gewandte Kaffer einen Schritt zur Seite gesprungen, und die Geschosse verfehlten somit ihr Ziel. In: gleichen Moment war der herkulisch gebaute Neger auch schon in dem hinter ihm befindlichen dichten Dornbusch verschwunden. Sofort wurde die Verfolgung im schnellsten Tempo vorgenommen; das dichte Gestrüpp machte aber alle Versuche, ihn zu fassen, erfolglos. Bei diesem tragikomischen Vor­gang mußte ich unwillkürlich au Ssuwvrows AuSsPruch denken:Die Kugel ist eine Törin . . . ."

Schütte,

ehe,,:. Leutnant der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika.