392
Ein Transport nach der Omaheke.
i.
Perlhuhnjagd.
Ende August 1904 erhielt unsere Kolonne den Befehl, mit elf Ochsenwagen (Pro Wagen 24 Ochsen), mit Proviant, Munition und Ausrüstung beladen, den Marsch von Okahandja nach der Omaheke anzutreten. Zunächst galt es, den westlichen Teil des Kaiser-Wilhelm-Berges zu durchsahren. Der Kaiser-Wilhelm-Berg wird hier durch viele Riviere in tiefe Schluchten und Täler zerrissen und ist von Dornbüschen bestanden, jenen eichenartigen Hakis- und Kameldornen, welche fast undurchdringlich sind. Die Pad ist durch die großen und vielen Klippen sehr schlecht. Im ersten Rivier angekommen, geriet der vorderste Wagen mit dem rechten Vorder- und Hinterrad so tief in den Sand, daß er umschlug; jedoch war das Fahrzeug ganz geblieben, nur viele Proviantkisten waren zerbrochen. Nach einer Stunde konnten wir glücklicherweise weiterfahren.
Der Marsch ging so langsam, daß wir in den ersten fünf Tagen nur durchschnittlich 5 Kilometer zurücklegen konnten, um die nächste Wasserstelle Otjosasu zu erreichen.
Jeder Wagen mußte durch Vorspann von weiteren 24 Ochsen durch den tiefen Sand im Riviere und über die steilen Berge gefahren werden.
Die Reihe der Zugtiere war so lang, daß die vorderen Ochsen schon halb den steilen Berg erklommen hatten, während der Wagen noch immer im Flußbett war.
Die Tiere mußten in den ersten vier Tagen nach Okahandja zur Tränke zurückgetrieben werden. Den fünften Tag hatten wir in Otjosasu genügend Wasser. Von hier aus ging es zunächst besser, denn der Weg wurde ebener.
Bei solch einem Transport ist man mehr Viehtreiber und Viehwächtec als Soldat.
In Owiumbo brachte einer von unseren schwarzen Viehwächtern (Klippkaffer) die überraschende Meldung in halb deutscher und halb holländischer Sprache: „Mister, Mister, de Herervs hebbe de Ochse weggedreve!"
Wir sattelten sofort und ritten in verschiedenen Richtungen, um die Spur im Busch zu suchen. Nach einstündigem Ritt im dichtesten Dornbusch hatten wir die richtige Spur gefunden. Als wir diese eine halbe Stunde verfolgt hatten, trafen wir die Ochsen in mannshohem Grase, von den Hereros war jedoch keine Spur; und nun kam Klarheit in die Sache.
Der Viehwächter war, wie er nachher eingestand, an seinem Lagerfeuer eingeschlafen und sein Gespann von 28 Ochsen hatte sich bessere Weide gesucht. Als wir im Begriff waren, unsere Ochsen zurückzutreiben, ruft Vizefeldwebel Kunz: „Sind hier aber eine Menge Perlhühner!"
Es war hier eine Wasserstelle, welche nur noch feuchte Erde auswies., In derselben scharrten eine Menge Perlhühner (wohl über 300). Ohne zu beraten, waren wir abgestiegen, hatten die Pferde an die Dornenbäume gebunden, und das „Gefecht" hatte seinen Anfang genommen. Die Tiere waren durch unser plötzliches und schnelles Geschieße so erschreckt, daß sie sich nicht von der Stelle rührten und nur ihre Hälse reckten. Nachdem jeder ungefähr 20 Schuß abgegeben hatte, bekamen wir Verstärkung. Durch unser Schnellfeuer hatten wir unsere Kameraden an die Stelle gelockt. Im Nu waren auch sie aus dem Sattel, hatten, ehe wir es in unserem Eifer gesehen, ihre Pferde neben die unseren gebunden, und als erster ohne Atem und mit von den Dornen zerrissenem Gesicht und Anzug kam der Oberleutnant Wieczorek an mich heran mit der lauten Frage: „Wo sind dit schwarzen Bestien?" Ich vermochte ihm nicht zu antworten. Da stand ein Unteroffizier auf, hielt einen Arm voll Perlhühner hoch und rief mit lachendem Gesicht: „Hier, Herr Oberleutnant!" Der Oberleutnant machte Miene, uns