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Geschütz nicht mehr funktionierte, liefen sie im Sturm darauf los. Sie kannten aber den Unteroffizier Januschefski, den Gewehrführer, nicht! Der sprang zu, und in einem Handumdrehen hatte er einen neuen Lauf eingezogen, und gerade, als die Schwarzen dicht heran waren, da rollten wieder die Schüsse, und wie abgemäht lag fast die ganze Bande. Dafür erhielt Januschefski das Militärehrenzeichen 1. Klasse.
Mitunter bringt's der Mut im rechten Augenblick.
IV.
Da lagen sie alle fünf!
Am 12. August 1904, abends, lagerte die Truppe in Schützenlinie im Kreise, rings umher viel Dornbusch. Maschinengewehr und Geschütze waren so zwischen der Infanterie verteilt, daß nach allen Richtungen gefeuert werden konnte. An jeden: Geschütz und Gewehr standen drei Mann der Bedienung Wache. Nachts ging ein Reiter, der durstig war, 30 Schritt vom Lager an ein Wasserloch, um Wasser zu holen. Fünf Schwarze, die sich wie die Schlangen herangeschlichen hatten, erschlugen ihn mit Kirris und wollten sich dann in der Dunkelheit fortschleichen. Aber ein Maschinengewehr bemerkte eine auffällige Bewegung und feuerte. Am anderen Morgen fanden wir den Reiter. Sie hatten ihm den Kopf zerschlagen, so daß das Gehirn hervorquoll. Aber die es getan, waren nicht entkommen. Dicht neben dem Opfer lagen die fünf Angreifer, mächtige Hereros. Das Maschinengewehr hatte sie alle erreicht und festgehalten, da, wo sie ihr Verbrechen begangen.
Joseph Krüger,
ehem. Gefreiter d. Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika.
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Ein Melderitt unter Oberleutnant von Kummer!
„Rieß, kommen Sie mit nach Afrika?" so fragte mich eines Morgens mein Oberleutnant von Kummer, und ihm konnte ich nicht nein sagen. Außerdem tat ich's von Herzen gern, denn ich hatte mit ihm in China die beste Zeit meines Lebens zugebracht."
Mit dieser Einleitung beginnen die sehr anschaulichen und anregenden Mitteilungen des ehemaligen Unteroffiziers Rieß, aus denen leider, des nur noch geringen verfügbaren Raumes wegen, nur einzelne kurze Ausschnitte im nachfolgenden gebracht werden können. Weiter heißt es dann:
„Kaum ausgeschifft, erhielten wir eine Meldung mit drei Kreuzen, und fort ging's nach Karibib, Omaruru, Okateitei, als Ziel den Waterberg. Dort am 11. und 12. August 1904 Gefecht, Sturm und blutiger Sieg, und am 13. und 14. die Verfolgung bis in die wasserlose Wüste.
Auf der Verfolgung der bei Waterberg versprengten Hereromassen in die Omaheke erreichte uns bei Epukiro am 19. September der Fähnrich von Kaynach (gest. 1905). Er kam aus dem Großen Hauptquartier und brachte von Exzellenz von Trotha neue Befehle für die Abteilung Deimling.
Während nun der Oberst Deimling einen Antwortbericht an Exzellenz von Trotha schrieb, sollten wir (der Oberleutnant von Kummer, zwei Reiter und ich) uns fertig machen, um das Schreiben zu überbringen.
Wir konnten gerade noch die eben mit einem Transporte eingetroffenen Kartoffeln — vier pro Mann — verzehren, und dann ging's auch schon los, auf den Ritt zum Hauptquartier.