398
Wir jagten bei Hellem Mondschein querfeldein immer auf den Leitstern los. Aber frühere Gelegenheiten hatten uns schon gelehrt, daß nach den Sternbildern nur bedingt zu reiten ist; denn sie wechseln genau wie Sonne und Mond ihre Plätze. In vier Stunden brauchten wir drei Sterne, dann wurde Rast gemacht, und als die Sonne aufging, sahen wir, daß wir genau da geruht hatten, wo wir es gewollt, nämlich hart östlich Sturmfeld, einer für sndwestafrikanische Verhältnisse sehr schönen Wasserstelle. Hier zu Lande denkt man sich unter Afrika ein Land, wo man zu schwitzen nicht aufhört. Und wie sieht es in Wirklichkeit aus? Während der Nacht war uns das Wasser in den so sorgfältig gehüteten Wassersücken steif gefroren. Waren uns nachts die Sterne willkommene Wegweiser gewesen, so trat jetzt die Sonne an deren Stelle; denn das eiserne Muß lehrt, auch ohne Generalstabskarte auszukommen, und es gelang, denn fast auf den Zentimeter genau stießen wir auf die Wasserstelle Okowarumende, wo wir am 11. September gelagert. Der Not gehorchend, ließen wir damals dort etwa 20 Typhuskranke ohne jedwede Hilfe, nicht mal einen Lazarettgehilfen hatten wir mehr, zurück; und später lasen wir einmal in den Zeitungen, daß für ein derartiges Zurücklassen von Maladen der Ausdruck „Krankensammelstelle" geprägt sei. Wir ritten nach kurzer Tränkpause bis Okatjekuri weiter. Die hereingebrochene Hitze und die Müdigkeit der Pferde zwangen uns, bis nachmittags 3 Uhr zu rasten.
Mit sinkender Sonne kamen wir in Oparakane an; dort war das Hauptquartier, und wir gaben die Meldung ab.
Das Hauptquartier hatte eine ganze Anzahl grüner Zelte, die mit den darüber gespannten Sonnensegeln recht einladend aussahen. Aber für uns war leider kein Platz mehr. Da erbarmte sich der Telegraphenoffizier Leutnant Rückforth unser und lud uns in den Ochsenwagen, um zu rasten. Das war schöner noch als daheim das beste Manöverquartier. Den Tag über bearbeitete Major Qnade die Meldung des Obersten Deimling und nachmittags wurden wir mit neuen Instruktionen entlassen und ritten, wie wir gekommen. Es schloß sich uns der Generaloberarzt Dr. Schian an, um das Krankenwesen zu inspizieren. Die Nacht brachten wir in Eware zu. Noch bei Dunkelheit machten wir uns auf den Weg nach Okowarumende. Dort war der Zahlmeister Bielefeld und es zeigte sich, daß nicht nur im Manöver der Zahlmeister am besten verpflegt wird, sondern auch in Afrika. Dieser sagte aber nicht: „Selber essen macht fett", war vielmehr echt kameradschaftlich und lud uns zu einem gebratenen Oornsck-bosk und Kartoffeln ein. Es mundete Prächtig, denn die Abteilung Deimling ist nicht verwöhnt.
AuSmarsch zum Waterbcrg.