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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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Leutnant von Plehme hatte hier eine Lcnnpenstation errichtet und mit dieser Ver­bindung mit dem Obersten bekommen, so daß wir melden konnten:Befehl ist ausgeführt!" Der Oberst war nun beruhigt, daß seine Briefe im Hauptquartier abgegeben und wir wieder glücklich auf dem Rückwege seien. Wir hatten nun Zeit und konnten den Pferden etwas Ruhe gönnen. Wir selbst gingen zu der Farm, die dicht an dieser Wasserstelle liegt. Es waren allerdings nur drei armselige, auf einem Hügel gelegene Lehmhäuser, aber wenigstens ein ganz schöner Fernblick. Hinter den Häusern lag anscheinend ein großer Park, wenn man aber näher hinsah, waren es nur einige Bäume, die an die einstigen erinnern, dahinter wieder der elende afrikanische Busch aus Dornen und Dornen und wieder Dornen. Die Bäume verdanken ihr Dasein der nahen Wasserstelle, die am Fuße des Berges liegt. Das Farmhaus besteht aus drei Räumen, allerdings ohne Fenster und Türen; aber es war doch ein Dach darüber, und das begegnete uns seit dem Verlassen des Schiffes zum ersten Male.

Lange blieben wir nicht in diesem seltenen Genuß; denn wir mußten aus Satteln denken, um vor der Hitze wieder beim Obersten zu sein. Diesen erreichten wir auch in Epukiro, wo wir um 9 Uhr eintrafen. Der Oberst war mit unserem Ritt sehr zufrieden, hatten wir doch in dieser kurzen Zeit über 300 Kilometer zurückgelegt.

Woldemar Rieß,

ehern. Unteroffizier der Kaiserl. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika.

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Als Mitkämpfer am Waterberge.

i.

In den verlassenen Werften.

Am 13. August 1904 nahmen wir die Verfolgung der Hereros auf und gingen bis Omapandu vor. Doch bald mußten wir wieder nach dem Gefechtsfeld bei Hamakari zurück und von da gegen Erindi-Endeka vorgehen, da einesteils hinterOmapandu absoluter Wassermangel herrschte und andernteils die Hereros nach Süden abgeschwenkt waren. Der Anblick, der sich der ver­folgenden Truppe auf ihrem Wege bot, zeigte erst den ganzen Erfolg des Kampfes vom 11. August.

Mehrere Kilometer weit längs des Hamakari- riviers befindet sich Werft an Werft. Soweit unsere Geschosse gereicht hatten, waren sie in eine Trümmer­stätte verwandelt und überall anscheinend in wilder, kopfloser Flucht verlassen worden. In den Pontoks hockten alte Weiber, Greise und kleine Kinder, die man nicht hatte mitnehmen können. Verwundete,

Kranke und Sterbende erwarteten irgendwo in einer Ecke eines Krales ihr Schicksal. Überall stand zahl­reiches, in der Eile zurückgelassenes Vieh, das Heilig­tum der Hereros. Ganze Ochsenwageu, gefüllt mit Stoffen, Pelzen und Hausrat, waren in der Not stehen gelassen, zahlreiche Felle, Decken, Weiber­schmuck, Kochgeräte lagen unter zersprengten Artillerie­geschossen umher.

Gefreiter Max Dötfchel.