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Auf dem Rückmärsche wurden 30 Mann abkommandiert, die das Gelände von Omapandu bis Hamakari nach Vieh absuchen mußten. Es gelang uns, zirka 4000 Tiere zusammenzutreiben und auf Station Waterberg abzuliefern. So hatten wir wenigstens Fleisch zu essen; andere Nahrungsmittel gab es so wie so nicht, da die Proviantwagen noch nicht in Waterberg eingetroffen waren. Am 17. August, abends 7 Uhr, stellten wir uns wieder bei unserer Kompagnie in Hamakari ein. Bis wir mit unseren schlappen Pferden, die kaum mehr vorwärts zu bringen waren, am 19. August, 2 Uhr nachmittags, in Erindi-Endeka ankamen, waren die Hereros schon wieder im Abzug begriffen. Unsere Artillerie konnte sie noch auf 2000 Meter beschießen, doch war eine weitere Verfolgung bei dem traurigen Zustand unserer Pferde und der unzureichenden Proviantzufuhr für uns ein Ding der Unmöglichkeit.
II.
Die Buschleute verschwinden im Busch.
Am 31. März 1906 stießen wir in Karvkowisa auf eine Buschmannswerst. Die Buschleute, welche bei unserem Erscheinen nicht wenig erschraken, da sie noch nie Weiße gesehen hatten, erzählten uns durch den Dolmetscher, daß ungefähr 45 Kilometer entfernt sich eine Hererowerft befinde, die 40 bis 50 Köpfe zähle und fünf Gewehre und zwanzig Stück Vieh besitze. Auf diese Mitteilung suchte unser Oberleutnant Gräff sofort die acht besten und zuverlässigsten Leute mit guten Pferden heraus, darunter auch mich, und wir rückten am nächsten Morgen, den 1. April, unter Begleitung von vier Buschleuten, die uns den Weg zeigen sollten, gegen den Feind vor. Wir ritten bis 10 Uhr, kochten dann etwas Reis und brieten einen Bock, den wir unterwegs geschossen hatten. Da wir am Abend noch die Werft stürmen wollten, wurde am 2. März um 3 Uhr wieder aufgebrochen; doch wurde es dunkel, ohne daß wir das Lager der Feinde zu Gesicht bekamen. Wir mußten deshalb um 7 Uhr haltmachen und unseren Plan für den nächsten Tag aufsparen. Früh 4 Uhr wurde wieder aufgebrochen. Gegen 7,15 Uhr blieben die Buschleute plötzlich stehen, zeigten mit der Hand nach einer bestimmten Richtung und — verschwanden im Busch. Wir trabten heran und sahen den Rauch der Lagerfeuer der Hereros. In aller Stille wurden wir geteilt. Nach rechts ritten Oberleutnant Gräff, Oberarzt Dr. Werner, Unteroffizier Dohler, Gefreiter Schalz, Reiter Hartmann und Walenda, während Unteroffizier Rüdiger, die Gefreiten Redhorn, Ritter, Cnrt und ich links vorgingen. Leise ritten wir auf 800 Meter an die Werft heran, dann ging es im Galopp vor; 50 Meter von der Werft entfernt, sandten wir unter Hurrarufen die ersten blauen Bohnen hinüber. Dann sprengten wir an die Hütten heran und saßen ab. Nun wurde es in der Werst lebendig, bald fielen auch Schüsse von feiten des Feindes. Reiter Hartmann schwankte, eine Kugel hatte ihm den linken Oberschenkel durchbohrt, so daß er schon nach einer Stunde verstarb. Oberleutnant Gräff erhielt einen Schuß in den Patronengurt. Plötzlich sahen wir, wie die Hereros das Vieh auf der Rückseite der Werft davontreibcn wollten. Unteroffizier Rüdiger, Redhorn und ich liefen hinzu und schnitten ihnen den Weg ab. Nun lief alles so schnell als möglich davon, und wir waren im Besitz der Werft. Wir erbeuteten 61 Stück Groß- und 16 Stück Kleinvieh, außerdem neun Gewehre, darunter den Karabiner des Hauptmanns Gausser der 11. Kompagnie, welcher am 11. August 1904 im Gefecht am Waterberg gefallen war. Beim Durchsuchen der Werft fanden wir sieben Tote vor. Eine Verfolgung der zirka 150 Köpfe erschien für uns zehn Mann nicht rätlich. Die Buschleute, die sich vor dem Kampfe gedrückt hatten, waren bei der Verteilung der Beute zugegen und nahmen mit, was nicht niet- und nagelfest war.
Max Dötschel,
ehem. Gefreiter der 10. Feldkompagnie der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika,
z. Zt. Mitwitz.