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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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gekommen. Sechs volle Stunden hatten wir drei Verwundete da oben ausgehalten. Erst am 8. September traf ich im Lazarett Windhuk ein. Vorher hatte mich Stabsarzt I)r. Schöpwinkel im Lager von Bleßkranz verbunden.

Ich selbst führte den Verwundetentransport von 3 Bastards, den Reitern Kluth, Bathke und von Lungershausen. Der brave Kluth, der von derselben Kugel ge­troffen wurde, die auch den Unteroffizier Schern tötete, verstarb auf dem Transporte.

Ich selbst bin seit 1896 Ganzinvalide und besitze als Lohn eine allerhöchste Belobigung.

Martin Reichet,

ehern. Gefreiter der 2. Komp. der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika.

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Die Waffen gerettet!

Aus dem Gefecht bei Norechab, 14. Februar 1906.

Seit dem 12. Januar 1906 lagen wir (die 12. Kompagnie 2. Regiments), Ober­leutnant Hunger, Abteilung von Erckert, auf einem Höhenzug in der Norechabschlucht. Rechts und links vor uns gewaltige Felsen, die den Eingang der Schlucht schon von weitem erkennen ließen. Bereits am 18. Januar hatten uns die Hottentotten mit List etwa 180 der besten Ochsen von der etwa eine halbe Stunde entfernt liegenden Weide abgetrieben, und am 14. Februar wollten sie jedenfalls unsern ganzen Viehbestand holen; es kam aber anders.

Auf halber Höhe, an einem der Felsen, die den Eingang zur Schlucht bildeten, lag ein Geschütz der zweiten Gebirgsbatterie. Am 14. Februar war auf 7 Uhr morgens Gottes­dienst angesetzt; ein bei den Hottentotten viel verkehrender Pater war am 13. bei uns eingetroffen. Aber schon ungefähr um 5 Uhr morgens, als die meisten meiner Kameraden und auch ich noch im besten Schlummer lagen, krachte plötzlich das bezeichnete Geschütz, und ein heftiges Gewehrfeuer, das darauf folgte, sagte uns, daß die Hottentotten Vieh brauchten. Wir stürzten aus unsern Zelten, warfen Patronengurt und Gewehr über, und im Galopp ging's die Höhe hinunter, um den Eingang der Schlucht so schnell wie möglich zu besetzen. Dort an­gekommen, hieß es:Auf den Berg hinauf!"

In gebückter Stellung ging's nach oben; aber jetzt boten wir dem Gegner Ziele. Mein Kamerad Heimchen war der erste. Kaum hatte er eine ungeschützte Stellung erreicht, als er, durchs Herz getrosten, zusammenbrach. Gefreiter Baumer, der als zweiter folgte und nicht wissen konnte, daß Heimchen tödlich getroffen sei, riß sein Verbandpäckchen heraus, beugte sich über den Gefallenen, öffnete ihm den Patronengurt; aber weiter kam er nicht, auch ihm fuhr eine Kugel quer durch den Körper.

Ich folgte als dritter; hätte ich mich nicht hinter die nächste Klippe geworfen, wäre es mir nicht anders ergangen. Assistenzarzt vr. Westphal, der nach den Gefallenen sehen wollte, kam gar nicht bis in meine Höhe; er wurde schon vorher durch mehrere Schüsse schwer verwundet. Mir blieb jetzt nichts weiter übrig, als zu feuern. Ja aber hätte ich nur gewußt, wo die Schufte saßen? Rauchen sieht man die Munition nicht mehr wie früher; mir blieb also nichts übrig, als verdächtig aussehende Stellen in den Klippen zu beschießen. Mein Haupt­mann von Erckert, der sich auch in keiner beneidenswerten Lage am Fuße des Berges befand, dachte aber doch an die Gewehre und Patronen der Gefallenen; denn das war ihm das schmerzlichste, wenn Waffen in die Hände der Hottentotten fielen. Da ich der Flügelmann des Zuges, war es meine Pflicht, die Gewehre zu holen. Ich kroch so weit wie möglich an