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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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die oben geschilderte Sachlage meldete und ihm auch sagte, was ich für Absicht gehabt hatte, sagte er zu mir:Sie müssen immer bedenken: steht der Erfolg in irgendeinem Verhältnis zu den Verlusten, die man haben würde? Wenn ja, dann in Gottes Namen drauf. Und Sie würden ganz enorme Verluste gehabt haben, wenn überhaupt einer durchgekommen wäre. Denken Sie an Bvdenhausen!"

von Barsewisch,

ehem. Oberleutnant der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika.

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Von drei Kuppen kam das Feuer!

Naukluft, 27 . August 1894 .

Ein alter Afrikaner ist's, dessen Schilderungen seiner kampfreichen Vergangenheit die hier folgende kurze Szene entnommen ist. Major Leutwein lag im August 1894 in schwerem Kampfe gegen Hendrik Witbooi in der Umgebung von Büllsport am Naukluft- gebirge. Hauptmann von Sack, der die 2. Kompagnie kommandierte, gab am 27. August 1894 dem Gefreiten Reiche! den Befehl, die Wasserstelle Uhunis zu besetzen. Nur Reiter Koch und Kafser Paul waren mit ihm. Die drei hatten sich auf einer Klippe oberhalb der Wasser­stelle eingenistet. Schon am Morgen wurde der Kafser durch einen Schuß verwundet, der auch Reiche! die Hosen durchlöcherte. Von drei Seiten wurde der kleine Posten bald beschossen jetzt nur noch zwei Mann stark. Die Lage war verzweifelt. Lassen wir den braven Kämpfer selbst reden:

Wir beschäftigten uns mit dem Teile der Angreifer, der uns den Rücken erwärmte. Hinter einer Aloe hatten wir einen Schützen bemerkt. Wir richteten beide unsere Karabiner dahin dann gleichzeitig Feuer! Sein Gewehr hoch im Bogen werfend, stürzte der Witbooi den Felsen herab. Dann nichts mehr zu sehen aber von drei Kuppen kam das Feuer. Wir behielten die Wasserstelle immer im Auge, und ließen niemand an sie heran denn daran lag den Hottentotten viel. Das haben wir auch durchgeführt. Aber als das Feuer dann schwieg, wollte ich Umschau halten; doch kaum war mein Kopf über die Steine erhoben, als ein Hagel von Geschossen von drei Seiten niederrasselte. Wäre die Kugel, die einen Stein zersplitterte, der mir das linke Auge zerstörte und die Nase zerschlug, nicht warnend eine Sekunde früher als die anderen Schüsse gekommen, dann lebte ich nicht mehr; denn ehe ich mich noch rasch gedeckt, durchlöcherte schon eine Kugel meine Mütze. Das Holz meines Kara­biners wurde völlig durch eine andere aufgerissen, die mir auch noch den Handrücken verwundete. Kamerad Koch der ebenfalls den Kopf gezeigt hatte blutete aus einer Stirnwunde. Aber, aushalten, trotz furchtbarer Schmerzen! Sonst waren wir alle verloren. Die Hotten­totten nahten der Wasserstelle. Aus dem Gewehr des Kaffern und aus Kochs Karabiner schoß ich ununterbrochen auf die durstenden Witboois, die ans Wasser gingen.

Dann plötzlich - verschwanden die Feinde. Eine

Patrouille unserer Kompagnie war ihnen in den Rücken Gefreiter Martin Reiche,.

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