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die beiden heran, schob die eine Leiche von der andern hinweg, damit ich auch die Patronengurte bekommen konnte; und die Sache glückte, wenn auch Kamerad Heimchen dabei noch der Daumen zerschossen wurde. Aber er war nun einmal tot, und ich kam mit heiler Haut davon. Die Hottentotten mußten schon kurz nach Mittag abziehen, ohne ein Stück Vieh erbeutet zu haben. Einen großen Anteil an dem siegreichen Erfolge hatte Leutnant Degenkolb, der aus eigenem Entschlüsse mit seinem Maschinengewehr rechtzeitig eintraf. Das Gefecht kostete meiner damals sehr schwachen Kompagnie, da ein Zug nicht am Platze war, fünf Tote und sechs Verwundete. Die Gefallenen waren, außer den schon genannten: Gefreiter Förschle, Reiter Horcher und Radtke. Verwundet wurden noch: die Gefreiten Löper, Noewer, Schumacher, die Reiter Lang- hoher, Samel, Stolley. Einigen Kameraden und mir GefrcMr W. Baumelker. brachte dieser Tag das Militärehrenzeichen 2. Klasse ein.
Baumecker,
ehem. Gefreiter der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika.
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Unsere Feinde die Hottentotten.
i.
Zur Charakteristik der Bondels.
Vielfach macht man sich von dem Charakter der Hottentotten falsche Vorstellungen. Der Unterschied zwischen Hottentott und Herero ist äußerlich wie innerlich ein ganz gewaltiger. Der Hottentott ist mittelgroß, mager, sehnig, von gelbbrauner Gesichtsfarbe, mit mongolischem Gesichtstypus und intelligenten klugen Augen. Geistig ist er vortrefflich bcanlagt, von klarem, gesundem Urteil, gerissener Schlauheit und überlegter Logik. Diese Eigenschaften traten so recht bei den Friedensverhandlungen im November und Dezember 1906 zutage. Das waren keine Verhandlungen mit „Wilden", sondern mit geistig vollkommen auf der Höhe stehenden Leuten, die keineswegs mit leeren Redensarten abzuspeisen waren. Sie wußten genau, was sie wollten und was sie verlangen und erreichen konnten. Klipp und klar machten sie ihre Bedingungen, alle ihre Forderungen waren gut begründet. „Wir können noch lange Orlog machen", sagte der Kapitän Johannes Christian, „aber unsere Frauen und Kinder gehen dabei zugrunde, und der Stamm der Bondels muß durch den langwierigen Krieg und andauernde Verfolgung allmählich aussterben. Um meinen Stamm zu erhalten, will ich Frieden machen. Ich beanspruche Wohnsitze in meinem Lande bei Warmbad, mit genügender Weide, um das für meine Leute notwendige Vieh zu erhalten. Damit meine Krieger nicht wieder auf Raub und Diebstahl verfallen, muß ich genügend Muttervieh haben, denn zurzeit besitze ich kein Vieh mehr. Der Friede soll erst endgültig geschlossen werden, wenn ich alle meine Leute gesammelt und ihr Einverständnis zum Friedensschluß habe. Dann will ich die Gewehre abgeben, in den mir zugewiesenen Reservaten bleiben und meine Leute zur Arbeit bei der Regierung und den Farmern anhalten." Vergebens suchten wir ihnen nördlicher bei Keetmanushoop liegende Reservate aufzureden, um sie in größerer Entfernung von der englischen Grenze und unter- besserer Aufsicht zu haben, vergebens redeten wir auf sie ein, sogleich die Gewehre und