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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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Patronen abzugeben, um dadurch zu beweisen, daß sie es diesmal wirklich ernst mit dem Frieden meinten und nicht wieder, wie früher so oft, nur Zeit gewinnen wollten, sich wieder etwas auszuruhen.Ohne Gewehr ist der Hottentott nichts, mit Gewehr ist er viel!" damit lehnte der Kapitän kurzerhand diese Forderungen ab. Wochen und Wochen verstrichen, und immer noch nicht waren die im Lande weit zerstreuten Banden gesammelt. Wir machten ihm nun klar, daß er sich mit seinem nächsten Anhange jetzt ergeben müsse, da das Sammeln des ganzen Stammes noch viele Monate dauern könne. Er sah das auch von unserem Standpunkte voll­kommen ein, erklärte aber auf das bestimmteste, daß er sich nicht darauf einlassen könne;denn", sagte er,wenn ich Frieden mache und ein Teil des Stammes führt den Orlog weiter, werdet ihr mich mit meinen wehrlosen Leuten gefangen setzen, damit wir uns nicht auch noch am Auf­slande beteiligen können. Dann werden wir aber niemals Frieden bekommen, sondern meine Leute werden euch nicht mehr trauen und bis zum letzten Mann weiterkämpfen!" Wir mußten also wohl oder übel warten, bis der Herr Kapitän sein Häuflein gesammelt und von den nicht Erschienenen, wie z. B. von seinem einflußreichen Bruder Joseph Christian, schrift­lich das Einverständnis zum Frieden erhalten hatte. Dann schloß er Frieden, aufrichtig und ehrlich, wie es in den Bedingungen ausgemacht war.

II.

Schonung Verwundeter.

Verwundete haben die Bondels vielfach geschont. Einen verwundeten Reiter nahm Cornelius bei sich aus und gab ihm später Begleitung mit, weil er den Rückweg zur Truppe nicht kannte. Jakobus Christian ließ zwei Schwerverwundete, die Reste einer von seinen Leuten in dem Hamrivier abgeschossenen Patrouille, an dem Weg im Schatten niederlegen, damit sie von der Truppe bald gefunden würden. Letzteres trat auch ein. Der eine wurde wieder ge­sund, der andere starb leider an den Wunden. Als Morenga den Offizier-posten in Jerusalem überfiel, schenkte er den Verwundeten und, soviel ich mich erinnern kann, auch einem Unverletzten das Leben. Wenige Tage darauf überfiel er einen Transport bei Heirachabis. Er schickte so­fort einen Eingeborenen nach Ukamas, um einen Arzt ohne Waffen zur Pflege der Verwundeten zu holen. In Vertretung des abwesenden Arztes kam der Veterinär, legte inmitten der Hotten­totten die ersten Verbände an und schaffte die Verwun­deten nach der katholischen Missionsstation Heiracha­bis. Auch Morenga ließ sich bei dieser Gelegenheit eine alte Wunde an der Hüfte verbinden und sprach dem Veterinär dafür seine Anerkennung aus. In dem schweren Gefecht beiHarte- beestmund war den Bon­dels ein Packtier mit Verbandmaterial und chi­rurgischen Bestecken in die Hände gefallen, sie schickten es auf englisches Gebiet, wo unsere Verwundeten lagen.

Hauvtuiann von Hagen. Oberstleutnant von Estorff. Oberleutnant von Schauroth. Jntendanturrat Röstlin unv Oberleutnant Freiherr von Gaisberg in Warmbad.