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III.
Achtung vor gefallenen Offizieren.
Der erste Tag des Gefechts bei Keidorus war unglücklich verlaufen, wir waren blutig zurückgeschlagen und hatten die Tvten liegen lassen müssen. Als wir am zweiten Tage nach heftigem Gefecht auf das Kampffeld vom Tage vorher kamen, waren die beiden gefallenen Offiziere unter einem Erdhügel gut bestattet. Den Kopf beider hatten sie freigelassen. Erkennungsmarke und Briefschaften lagen, mit einem Stein beschwert, auf der Brust der Toten. Auch die Leichen der bei Hartebeestmund gefallenen Offiziere und der meisten Reiter waren mit Klippen zugedeckt. Daß sie die Toten meistens bis aufs Hemd, Unterhosen und Strümpfe ausziehen, kann man ihnen nicht verdenken; denn Bekleidung ist im Orlog wertvoll und schwer zu ersetzen.
Aus diesen wenigen Beispielen wird man erkennen müssen, daß man dem Hottentotten eine gewisse soldatische Ritterlichkeit nicht absprechen kann. Daß er im Gefecht und auf Patrouille möglichst viel niederschoß, um uns Verluste beizubringen und Gewehre und Patronen zu erbeuten, ist selbstverständlich und durch den Krieg geboten.
IV.
Frohsinn. „Suppi". Verträglichkeit. Familienleben.
Mag es ihnen gut oder schlecht gehen, immer vergnügt, aufgelegt zur Musik, Lachen, Gesang und Tanz. Hauptsächlich letzterer ist ihnen ein Bedürfnis. Bei Vollmond wird nach der Mundharmonika die ganze Nacht getanzt, auch sonst bei Mondenschein, nach anstrengenden Märschen oft bis spät in die Nacht hinein. Leider spielt bei diesen Festen auch der „Suppi", d. h. der Schnaps, eine große Rolle. Auf Schnaps sind sie ganz versessen, auch brauen sie sich selbst aus Honig und Wurzeln ein Getränk, welches sie stark berauscht. Sogar der Kapitän steht ganz unter dem Einfluß des Alkohols. Die Friedensverhandlungen in Mamas mußten an dem ersten festgesetzten Tage wegen gänzlicher Betrunkenheit der einen Partei — ich meine natürlich die Eingeborenen — aufgeschoben werden.
Von Diebstahl oder Blord untereinander habe ich bei ihnen niemals etwas gehört; niemals hat ein Hottentott auch nur im entferntesten daran gedacht, sich den Preis, welcher auf das Haupt einiger ihrer Führer gesetzt war, zu verdienen. Die Werften leben einträchtig und friedlich untereinander. Alte, hilflose Leute, Kranke und Gebrechliche werden mit
uneigennützigster Gastfreiheit bei ihren Verwandten aufgenommen und versorgt.
Auch das Familienleben ist ein durchaus gutes; der Hottentott hängt sehr an seiner Frau. Solange es irgend durchführbar war, sind Frauen und Kinder, die sogenannte Werft, stets mit den Orlogleuten ins Feld gezogen. Zum Schutze der gefährdeten Werft kämpften sie mit äußerster Zähigkeit und Tapferkeit. Schweren
Ki'rlvvl' rlnrs Pontoks.