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wir diese zur Freude der Kranken. In der Zeit, wo letztere in der Wildnis allein gewesen waren, hatte es dort stark geregnet. Sie hatten sich in der Zeltbahn das Wasser aufgefangen und alle leeren Wassersäcke frisch gefüllt, auch war die Patrouille von Kalk- fontein mit Wasser glücklich eingetroffen. Leutnant Freiherr von Egloffstein schlug vor, daß der Unteroffizier Wanske den einen und Reiter Bayer den andern Esel reiten, Oberveterinär Raupach und ich zu Fuß nach Kalkfontein gehen sollten. Früh um 7 Uhr gingen resp. ritten wir von der Protze nach Kalkfontein. Bis mittags 12 Uhr wurde marschiert, und dann bis um 3 Uhr nachmittags haltgemacht. Als Nahrung nahmen wir einige Wassermelonen zu uns. Dann wurde aufgebrochen. Ich ging mit dem Oberveteriuär Raupach; dieser blieb nach und nach zurück, als ich mich umsah, war ich allein. Ich machte kehrt und fand ihn völlig erschöpft im Schatten eines Busches liegen. Auf Zureden stand er auf und weiter ging's bis kurz vor Kalkfontein. Dort brach er abermals zusammen, in dem Glauben, daß die letzte Stunde für ihn geschlagen habe. Aber nein, mit Aufbietung aller Kräfte und meiner Unterstützung raffte er sich wieder auf, und Arm in Arm erreichten wir endlich die Station Kalkfontein, wo auch bald darauf Unteroffizier Wanske und Reiter Bayer eintrafen. Durch den Leutnant Walther wurden Maßnahmen getroffen zur Verpflegung und Unterbringung der Angekommenen. Noch an demselben Abend kam auch der Krankenwagen unter Reiter Stenzel wieder an.
Ich war in drei Nächten und einem Tage annähernd 150 Kilometer zu Fuß gegangen. In dieser Zeit waren mir nur sechs Stunden Schlaf vergönnt. Der Munitiouswagen wurde acht Tage später durch mich nach Kalkfontein geholt.
Ostermann,
chem. Unteroffizier der 7. Batterie der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika.
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Der Feldbäcker rnusz alles können.
Am 22. Juni 1906 wurden wir in Swakopmund gelandet. Kaum fühlten wir afrikanischen Boden unter unseren Füßen, als sich die Einflüsse des ungewohnten Klimas schon unliebsam bemerkbar machten; die Lippen sprangen uns auf, und die Haut schälte sich ab. Vom 23. auf den 24. Juni kampierten wir, feldmarschmäßig ausgerüstet, im Sande und verbrachten nicht gerade angenehm unsere erste Nacht in den Kolonien. Am Morgen fuhren wir mit der Bahn nach Windhuk, wo uns eine zehntägige Ruhepause gegönnt wurde, dann ging's weiter nach Kub. Unterwegs war uns das Schanzzeug abhanden gekommen, und mein Kamerad Willner und ich mußten uns beim Essen mit einem Holzspan behelfen. In Kub angekommen, mußte ich mich in den verschiedensten Berufsarten betätigen. Gewerbe, die ich früher nur dem Namen nach kannte, wurden von mir ohne lange Lehrzeit ausgeübt. Mit gutem Willen und gesundem Humor ging es auch ganz leidlich. Zuerst mußte ich Ziegelsteine streichen und diese auch brennen. Als sich später die Notwendigkeit herausstellte, einige Häuser neu zu Polieren, und zum Schutze gegen den Regen zu firnissen, wurde mir auch diese Arbeit übertragen. Zwischendurch mußte ich auch mal Ochsen schlachten, Wasser tragen usw. Am 28. August wurde ich als Bäcker nach Rehoboth versetzt. Auch an diesem
Seraeant Ostermann.