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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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Ort herrschte, wie überall, ein großer Mangel selbst am Notwendigsten. Einen Ofen fand ich bei meiner Ankunft in dem neuen Wirkungskreise zwar vor, aber wie war der beschaffen? Er war aus ungebrannten Ziegeln aufgebaut. Da hieß es nun:Mensch, hilf dir selbst und zeige deine Kunst, wozu bist du im Feindesland!" Die Arbeit, die meiner harrte, war wirklich keine leichte. In der glühenden afrikanischen Sonne mußte ich des Tages am Ofen stehen und backen, und dazu alle fünf bis acht Tage eine Nachtwache. Bei dem herrschenden Wasser­mangel mußte das Wasser eine Viertelstunde weit geschleppt werden. Meine Lieferungen er­folgten an die Krankensammelstelle, für die ich ein leicht verdauliches Brot buk, ferner an Relais, Patrouillen, Telegraphenabteilungen, durchgehende Kolonnen, Kompagnien,Transporte usw. Mein durchschnittlicher Umsatz belief sich bis November auf mindestens 180 bis 200 Brote

Unsere Meldböckerei in Gibeon.

täglich. Nachdem ich allen Anforderungen nach Brot gerecht geworden, mußte ich zum Über­fluß auch noch zur Feder greifen, um Buch über die Ausgänge zu führen. Trotz aller An­strengungen und Mühsale habe ich immer freudig und gern meinen Dienst versehen und manche Anerkennung meiner hohen Vorgesetzten geerntet, und diese nahmen häufig Gelegenheit, mir persönlich ihre volle Zufriedenheit auszusprechen. Leider war es mir nicht vergönnt, in Afrika zu bleiben; denn ich wurde von einem schweren Herzleiden befallen und mußte im Lazarett Windhuk drei Wochen zubringen. Die Behandlung, die ich dort erfuhr, war eine sehr gute, nur litten wir furchtbar unter der Heuschreckenplage, indem die Tiere massenweise ins Essen und ins Krankenbett kamen. Am 1. März trat ich die Heimreise nach Deutschland an.

Wir dienten dir, lieb' Vaterland, Ein jeder seinen Mann dort stand,

Im deutschen Afrika! Treu, Kaiser, dir! Hurra!

Hilger,

ehem. Feldbäcker der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika.