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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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II.

Narudas.

Auf Befehl des Oberst Deimling hatte Hauptmann von Koppy am 11. März 1905 die Stellung Morengas bei Narudas in den Karrasbergen von Süden her anzugreifen. Seine Abteilung war etwa 250 Gewehre und 3 Gebirgsgeschütze stark. Beim Marsche dorthin kam es am 10. März zu einem Zusammenstoß mit dem Feinde. Es war die Bande der Brüder Morris, die von Moreuga beauftragt war, die von Süden her im Anmarsch ge­meldete deutsche Abteilung aufzuhalten, bis er die von Norden vorrückende Abteilung besiegt und zu Hilfe kommen würde. Hauptmann von Koppy, der das Gelände von früher her kannte, wußte, daß die von den Hottentotten gewählte Stellung eine vorzügliche war und allgemein als uneinnehmbar galt. Schnell hatte er seinen Entschluß gefaßt und ließ die Fuß­truppen dem Feinde gegenüber sich entwickeln und entsandte die berittenen Mannschaften und die Geschütze in westlicher Richtung, um den Gegner zu umgehen und ihm den Rückzug auf Narudas abzuschneiden. Kaum hatten die Hottentotten den geschickt entworfenen Plan des deutschen Führers erkannt, als sie in blinder Flucht ihre vorzügliche Stellung verließen und sich auf Narudas zurückzogen. Die deutsche Abteilung verblieb nach diesem leichten Siege die Nacht in Gefechtsbereitschaft an der Wasserstelle Garup und setzte am 11. März den Vormarsch fort. Am Morgen des 11. März traf Hauptmann von Koppy vor Narudas ein. Zugleich mit seiner Abteilung rückte von Norden her ein ge­schlossener Reitertrupp gegen die Pforte von Narudas vor. Aus dieser Richtung war die Abteilung Kirchners angesetzt, demnach mußte diese es sein. Bald hegte Hauptmann von Koppy jedoch Verdacht und sandte der Abteilung seinen Ordonnanz­offizier, Leutnant von Gersdorff, ent­gegen. Sofort löste sich auch drüben ein einzelner Reiter und sprengte Leutnant von Gersdorff entgegen. Nur noch wenige 100 Meter waren beide auseinander, da drehten sie plötzlich ihrePferde herum und jagten zu ihren Abteilungen zurück.

Leutnant von Gersdorff und Mo- renga hatten sich erkannt. Nun be­gann ein Wettrennen um den Besitz des Eingangs der Schlucht. Moreuga gelang es nicht, seine starken Schanzen noch recht­zeitig genügend zu besetzen. Dennoch er­forderte es einen hartnäckigen Kampf, um diese gefährlichste Schlucht der wilden KarraS- berge in unsern Besitz zu bekommen.

Gegen 5 Uhr nachmittags ließ Hauptmann

0 Hauptmann Kirchner war aber am Tage vorher bei Kosis Aob im verzweifelten Kampfe den Heldentod gestorben seine Abteilung zurückgegangen. (Vgl. Beitrag Freiherr Grate, S. 146.)

Teutsche Reiter in Sitdweft. o4

Hauptmann Kirchner.