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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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sich zehn schlappe Ochsen vor; das Eselschlachten hörte auf. Am nächsten Morgen trafen unsere Pferde ein. Am 30. Oktober, abends, rückten wir in Warmbad ein, um endlich wieder einmal Proviant empfangen und anständig essen zu können. Der Abteilung war es gelungen, Morenga auf seinem Marsche tagelang festzulegen, so daß es der Abteilung Siebert, die nicht in das Gefecht mit eingreifen konnte, möglich wurde, schnell in Ramansdrift zu erscheinen und so den Angriff Morengas, falls er dennoch erfolgen sollte, abzuwehren.

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Auf Befehl des Herrn Hauptmanns von Koppy werden Euer Exzellenz die an­liegenden Aufzeichnungen, die ich für Herrn Hauptmann von Koppy zusammengestellt habe, übersandt. Ich habe diese Aufzeichnungen gemacht, weil ich an all den Operationen persönlich teilgenommen habe. Außerdem habe ich an den Gefechten 1904 bei Alurisfontein-Warmbad dadurch, daß ich bis in die feindliche Stellung hineinjagte und das Feuer von etwa 50 Hotten­totten gänzlich auf mich zog, meinem Hauptmann, der mit mir in den Hinterhalt geraten war, das Leben gerettet. Hierfür wurde ich mit dem Militärehrenzeichen 2. Klasse dekoriert.

Im Gefecht bei Hartebeestmund, am 24. Oktober 1905, habe ich, 200 Meter vom linken Flügel unserer Stellung entfernt, über sechs Stunden lang dem ungestümen Andränge des Gegners, der aus meiner Position uns auf kürzeste Entfernung im Rücken fassen mußte, allein standgehalten und so eine für uns höchst ungünstige Verschiebung der Gefechtslage verhütet. Hierfür wurde ich mit dem Militärehrenzeichen 1. Klasse dekoriert.

Herrn Hauptmann von Koppy haben diese Aufzeichnungen zur Durchsicht vorgelegen.

W. Schütze,

ehern. Feldwebel der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika.

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Gegen die Feldschuhträger?)

170 Kilometer in 2^ Tag.

Ich stand bei der 8. Kompagnie 2. Feldregiments. Im Oktober hatte Hendrik Witbooi, der Oberkapitän der Hottcntottenstämme, den Krieg erklärt.

Am 12. Dezember 1904 rückte Major von Lengerke mit unserer Kompagnie und der 8. Feldbatterie - 150 Gewehre und 3 Geschütze gegen Koes vor, wo der Stamm der Feldschuhträger seinen Hauptsitz hatte.

In 2^/2 Tag marschierten wir 170 Kilometer eine Durststrecke lag im Marsche und überraschten den Feind in Koes vollständig. Die Hottentotten wollten eben eine Ver­teidigungsstellung in den Dünen vor Koes besetzen, als die ersten, unerwarteten Schüsse fielen. Während die Batterie und die Spitze unter Leutnant von Rheinbaben den Gegner unter Feuer behielten und Oberleutnant Graf von Stosch mit seinem Zuge gegen des Feindes rechte Flanke zu kommen suchte, ging Hauptmann Wehte weiter vor. Nach längerem Ge­schützfeuer griff Leutnant von Rheinbaben, unterstützt von den Artilleristen unter Oberleutnant Barack und Oberleutnant Schönberg, die mit in die Sturmkolonne eintraten, die Werft an; diese wurde mit dem Bajonett genommen. Major von Lengerke beteiligte sich selbst am Sturm. Nach hartem Kampfe entfloh der Feind und wurde verfolgt.

Der Zug des Oberleutnants Grafen von Stosch stieß aber im dichten Dornbusch auf zähen Widerstand. Direkt kam er nicht aus Ziel, daher versuchte er's indirekt, unterhielt durch einige Schützen in der Front ein lebhaftes Feuer und umging mit dem größeren Teile seiner Reiter den Feind bis fast in dessen Rücken. Der kühne Zug sollte vollen Erfolg haben. Mit

y Vgl. Beitrag des Majors von Lengerie, Seite 86.