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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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und 2 Maschinengewehre stark, die Verfolgung Morengas, der plündernd von den Karrasbergen nach dem Oranje gezogen war, aufnehmen. Morengas Ziel war angeblich das reichlich gefüllte und nur schwach besetzte Magazin Ramansdrift. Dessen Überfall sollte durch einen raschen Angriff verhindert werden. Am 20. Oktober erreichte Hauptmann von Kop py mit seiner Abteilung Velloordrift am Oranje und setzte von dort aus denWeiter- marsch Oranje abwärts fort. Die Pferde wurden mit den Sätteln nach Velloor zurückgetrieben. Mühsam und schwerfällig ging der Fußmarsch in den fast unwegsamen Ufergebirgen des Oranje vorwärts. Der Proviant war bereits am 20. aufgebraucht gewesen. Hungrig und müde bewegte sich der Zug in der glühenden Sonnenhitze fort. Nach zweitägigem Marsch wurden die Spuren des Gegners frischer, ein Hoffnungsstrahl belebte den ganzen Zug. Dann erfuhr man von englischer Seite, daß der Feind weiter nach Hartebeestmund ziehe. Wieder mußten wir vorwärts. Am 23. waren wir nahe vor Hartebeestmund. Mit neuer Hoffnung trat ein jeder am Morgen des 24. Oktober den Weitermarsch an, wußten wir doch, daß am gleichen Tage die Abteilung Siebert mit uns zusammentreffen müsse, und daß sie Pro­viant für uns mitführe. So ziehen wir an den Bergabhängen entlang. Die Spitze meldet fortdauernd verlassene Schanzen, aber ganz frische Spuren in ihnen. Sonst ist vom Feinde weit und breit nichts zu sehen. Als die Spitze einen Bergrücken, über den die Spuren führen, überschreiten will, fällt plötzlich ein Schuß, ihm folgen Salven und ein rasendes Schnellfeuer. Jeder muß sich hinwerfen, wo er steht. Aus einer Stellung von etwa 1 Kilometer Aus­dehnung hageln die Geschosse hernieder. Die 2. Kompagnie 1. Regiments hat den linken Flügel, dann folgt die 9. Kompagnie 2. Regiments. Beide liegen nur wenige Schritte vorm Feinde und können weder vor- noch rückwärts. Wer sich bewegt, ist schon getroffen. Nur mit Mühe gelingt es, die Geschütze und die 10. Kompagnie sowie die 3u Kompagnie 2. Regi­ments in Stellung zu bringen. Unaufhörlich prasseln die Geschosse in unsere Reihen nieder. Wiederholt will der Gegner zum Sturm schreiten, nur das gefürchtete Feuer der Maschinen­gewehre hält ihn zurück. So wogt der Kampf hin und her, keiner erreicht auch nur den ge­ringsten Vorteil. Verwundete stöhnen. Ein Arzt fällt, einer wird verwundet. Stillschweigend liegt jeder und feuert seinen Schuß, sobald er etwas sieht. Nach Einbruch der Dunkelheit muß die Abteilung zurückgehen. Es war unmöglich, gegen diese steilen Felsenwände Sturm zu laufen. 21 Tote, 32 Verwundete kostete dieser Tag der Abteilung. In der Nacht wird eine Stellung bezogen. Am Morgen des 25. bricht der Gegner vor, wird aber mit Geschützfeuer sofort in seine Stellungen zurückgetrieben. Nachmittags zieht er scheinbar ab. Unser Schlachtvieh ist während des Gefechts entlausen. Proviant ist nicht mehr vorhanden. Nachmittags wird ein Esel geschlachtet, um die Truppe überhaupt noch zu ernähren. Um 5 Uhr treten wir den Rückzug an. Die Verwundeten werden auf provisorisch errichteten Tragbahren getragen, und langsam, Schritt für Schritt, zieht die Abteilung den Weg zurück, den sie gekommen war. Zwei Tage wird mit den Verwundeten marschiert, dann werden sie auf englisches Gebiet hinübergetragen, wo sie die Mission von Pella abholt und sich ihrer in liebenswürdigster Weise annimmt. Die englische Polizei aus Pella teilt uns mit, daß Morris mit 100 Mann die gefährlichen Berge bei Pelladrift besetzt hat. So ist uns der Rückweg abgeschnitten. Eine von der Abteilung Siebert kommende Burenpatrouille führt uns durch ein schmales Flußbett nach Norden durch die Berge hindurch. Während der ganzen Nacht hindurch wird marschiert. Oft ist der Paß so eng, daß die Esel, die die Geschütze tragen, nicht bepackt hindurch können. Am andern Morgen treten wir aus den Bergen heraus. Kein bekanntes Gelände, keine Wasserstelle weit und breit. Der Marsch wird fortgesetzt fast den ganzen Tag hindurch und die darauffolgende Nacht. Endlich, am zweiten Tage mittags, erreicht die Abteilung Umeis. 40 Stunden Fußmarsch waren ohne Wasser und hungrig zurückgelegt worden, nachdem wir die Verwundeten abgegeben hatten. Auf Umeis fanden

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