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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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dem Bajonett warf sich die Schar von Stvsch auf den Gegner, der in blutigem Handgemenge vernichtet wurde. Was aber noch entfliehen wollte, fiel der Abteilung von Artilleristen, die Oberleutnant Schönberg, von der Ver­folgung ablassend, znr Unterstützung herbeiführte, in die Hände. Wir hatten einen völligen Sieg errungen, trotz der feindlichen Übermacht. Der Feind verlor 54 Tote, 40 Ge­wehre, 3500 Stück Vieh. Freilich, ein hartes Stück Arbeit war's für uns nach 70 Kilometer Nachtmarsch, bei brennender Hitze und noch brennenderem Durste! Aber im Kampfe und nach einem Siege vergißt man die Opfer.

Sieben Kameraden hatten auch wir verloren. Den Heldentod starben am 15. Dezember 1904 bei Kves: die Ge­freiten Kemmler und Köhn von der 8. Kompagnie und die Artilleristen Gröninger und Schmeißer. Verwundet wurden: von unserer Kompagnie Reiter Friedling, von der 8. Batterie Sergeant Müller und Gefreiter Mausberg.

Wir blieben zunächst in Koes. Welche Arbeit wir später noch bekamen, das mögen andere Kameraden erzählen.

Martin Fenchel,

ehern. Gefreiter der Kaiserl. Schutztruppe f. D.-Südwest- afrika, z. Zt. Darmstadt.

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Aus der Suche nach Hereros in der Omaheke.

Im März 1905 rückte Herr Oberleutnant Gräff mit einer Patrouille von 25 Mann von Grootfontein (Nord) aus, um zu erkunden, ob sich in dem fernen Osten noch Banden von Hereros herumtrieben, und um die Sicherheit der Farmer aufrecht zu erhalten. Also marschierte der Herr Oberleutnant mit seiner Patrouille am 15. über die Wasserstellen Bubus, Okana- kaseua, Otjituo nach Nordost ab. Auf einer Ochsenkarre nahmen wir Proviant für drei Wochen mit. Als wir zwischen die Wasserstellen Otjituo und Erikson-Pütz kamen, wurde dieser für eine Zeit von sechs Wochen eingeteilt. Nach sechs Tagen trafen wir bei Karakowisa, das am Kaukaufeld nordwestlich von Guru liegt, auf Spuren von Hereros, die zwei bis drei Tage zuvor dort mit Vieh vorbeigezogen sein mußten. Also sechs Tage waren wir hinter ihnen her- marschiert, bis wir endlich die Bande erwischten. Nach einem kleinen Gefechte bei Guru, bei dem wir einen Reiter verloren, erbeuteten wir 95 Stück Großvieh, fünf 88 er und sechs 71er Gewehre und den Karabiner des Herrn Hauptmanns Gansser, der in dem Gefecht bei Hamakari gefallen war. Das erbeutete Vieh wurde von einem Unteroffizier, drei Mann und zwei Eingeborenen nach Otjituo zurückgebracht. Wir behielten uns aber fünf Stück Vieh zum Schlachten zurück. Herr- Oberleutnant Gräff schickte Patrouillen in die Umgegend von Kurv (Kung?) und Kautscho (?), und auch diese entdeckten noch Spuren von Hererobanden. Sie haben auch Buschleute getroffen und von ihnen erfahren, daß sich eine große Menge von Hereros in der Gegend aufhalte. Jetzt schickte Herr Oberleutnant Gräff eine Patrouille von einem Unteroffizier und zwei Mann nach Grootfontein (Nord) mit einer Meldung an den Herrn Hauptmann von Oertzen zurück. Dieser sandte sofort den Befehl zum Rückzüge.Er kommt gleich mit einer Patrouille zu Hilfe!"

Gefreiter Martin Fenchel.