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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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Aber das schlimmste war, daß auf der Station Grootfontein (Nord) kein Proviant vorhanden, auch in den ersten fünf bis acht Tagen keine Kolonne zu erwarten war! Was war zu machen?

In solchem Falle kann man nicht lange zögern. Jetzt wurde dem Proviantraum an Dörrgemüse und Reis entnommen, was eben noch vorhanden war, und dann ging der Eilmarsch voran. Es dauerte aber doch mehrere Wochen, bis die Patrouille uns erreichte. Die Hereros waren alle über das Sandfeld zur englischen Grenze gezogen und nicht mehr zu erwischen. Die Kriegführung ist doch in Afrika anders, als es sich mancher daheim im lieben Vaterlande vorstellt. Das Gelände wurde in der Umgegend von Kurv und Kautscho abgesucht, und auch ins Englische waren wir ein Stückchen hinein marschiert, aber von den Hereros war nichts zu finden.

Der Proviant war fast völlig verausgabt. Jetzt wurde der Rückmarsch angetreten, und wir hatten einen Marsch von 700 bis 800 Kilometer zu machen. Mannschaften, Pferde und Ochsen waren schlapp und schwach im Magen. Als wir von der Patrouille zurückkehrten, da war das eine Erinnerung an die Rückkehr Napoleons und seines Heeres aus Rußland. Wir haben die Feldkost, von der die Buschleute und Hereros gelebt haben, auch mit großer Vorliebe gegessen. Das Lazarett in Grootfontein (Nord) wurde aber gefüllt mit denen, die auf dem Marsche wegen mangelhafter Ernährung krank geworden waren.

Wilhelm Warstat,

ehem. Reiter der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika.

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Als Etappenkommandant in Lüderitzlmcht.

i.

Erste Rekognoszierung des neuen Baiwegs.

Nach wunderschöner Seefahrt über Madeira, Teneriffa, Liberia, Lagos kamen wir, das Eisenbahnbataillon für Südwestasrika, am 25. September 1904 mit dem DampferErnst Woermann" aus der Reede von Swakopmund an. Während der ganzen Dauer der Fahrt zeigte sich uns der launische Meeresgott Neptun nur von der besten Seite, und auch der Führer des Schiffes, Kapitän Schade, tat sein möglichstes. Zwei Tage nach meiner Ankunft in Swakop­mund wurde ich als damaliger Hauptmann beim Stäbe des Bataillons, mit Genehmigung meines Kommandeurs und aus Befehl des Etappenkommandeurs Major Lequis, auf eine Ertündungsfahrt den neuen Baiweg nach Wind- huk entlang geschickt, da ich die Sicherung der Straße SwakopmundWindhuk übernehmen sollte. In meiner Begleitung befand sich der Oberleutnant von Livonius, und zur Bedienung waren uns zwei schwarze Boys attachiert. Aus einer Eselkarre mit sechs Eseln bespannt ging der Zug vorwärts.

Der frühere Baiweg ging an der Bahn­trasse entlang, mußte aber aufgegeben werden, weil daS Wasser schon für die Maschinen nicht reichte, also für die Ochsen- und Eseltransporte nicht mehr in Frage kommen konnte. Wir kreuzten bei Nonidas den Swakop nach Süden, einem alten Baiweg folgend, sahen die herrlichen Gebirgsformationen des SwakoptalS

Major Trott.