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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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Verdienste gezeitigt hat. Rottler sagt über seine ersten Eindrücke:Daselbst sah es schlecht aus; alles Werkstätten- personal stand im Felde. Mit fünf Mann von S. M. S. Habicht" blieb ich da bei zwölf defekten Maschinen (Lokomotiven), von denen nur noch eine Doppelmaschine und cin Jlling einigermaßen brauchbar waren. Alle anderen Mannschaften des Transportes gingen Per Bahn nach Kari- bib oder begleiteten Ochsenwagentransporte dahin. Wir sechs mußten zurückbleiben und sofort begann die Arbeit. Da wurde zuerst eine Doppelmaschine demontiert, eine Feuerkiste repariert, Stehbolzen und Siederohre erneuert. Wir arbeiteten mitunter von 6 Uhr früh bis 12 Uhr nachts und machten nur eine Mittagspause. Was von Ma­schinen auf Strecke war, kam fast immer defekt zurück. Dann ging's die Nacht durch Stehbolzen wurden er­neuert, Kessel repariert und am anderen Morgen mußte das Ding wieder betriebsfähig sein. Auf der Strecke Swakopmund Karibib hielten die Siederohre nur sechs Wochen des Wassers wegen und die Feuerkisten, Stehbolzen usw. 18 Wochen; während zwischen Karibib und Windhuk eine Maschine zwei bis drei Jahre verwendbar bleibt. Im März 1904 bekamen wir Verstärkung die Bahn wurde Militärbahn unter Hauptmann Witt; Betriebsleiter wurde Leutnant Lange. Nach und nach brachten wir's auf drei Züge täglich. Im April kam ich zur Hauptwerkstatt Karibib und arbeitete beim Brunnentrupp denn die Maschinen bedürfen vor allem guten Wassers. Die Brunnen im Durstrivier bis Okasise sind an 50 Meter tief, mit Handbetrieb, andere bei Kubas, Ababis, Karibib (drei Brunnen) haben Petroleummotoren oder elektrischen Betrieb; einige auch Göpel (z. B. Johann-Albrechts-Höhe, 45 Meter). Später wurde ich mit 20 Mann nach Swakopmund kommandiert und dann als Werkführer der Maschinenstation Oka­handja zugeteilt, wo ich bis zur Heimreise blieb."

Rottler schließt seine schlichten Mitteilungen folgendermaßen:Die besten Arbeiter sind die Hereros, dann kommen die Klippkaffern, und auch die Ovam- bos sind bei guter Behandlung brauchbar, werden sogar anhänglich. Aber ab und zu müssen sie Schläge be­kommen, sonst werden sie faul und frech. Ich selbst gehe wieder zur Schutztruppe nach Südwest, wenn eine Stelle frei wird."

Adam Rottler,

ehern. Sergeant der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwest- afrika, z. Zt. Göttingen (Württemberg).

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Eisenbahnsahrt SwakopmundOka­handja.

Am 2. März 1905 waren wir in Swakop­mund gelandet. Am 3. März traten wir auf der

Reichseisenbahnitrecke die Fahrt ins innere an. Sanitätssergennt Henneking.

s"

Sergeant Rüttler.